Fransenfledermäuse in Barzheim und Umgebung ...

... neue Erkenntnisse zu Quartieren und Jagdgebieten

Als den ersten grösseren Testlauf deutsch-schweizerischer Zusammenarbeit im Fledermausschutz bot sich im vergangenen Sommer eine Telemetrie-Aktion mit Fransenfledermäusen (Myotis nattereri) in Barzheim und Umgebung. Bei diesem Projekt ging es darum, das Wissen, welches aus einer spontan durchgeführten Telemetrie-Aktion vor zwei Jahren hervorging (wir berichteten darüber ausführlich in der Regionalbeilage Schaffhausen 3/95 des Fledermaus-Anzeigers) zu vertiefen und mehr über Quartiere und Jagdgebiete des einzigen in unserer Region bekannten Vorkommens dieser Fledermausart zu erfahren.


Das ganze bekannte Wissen über die Verbreitung der Fransenfledermaus in unserer Region liess sich bis vor zwei Jahren schnell zusammenfassen: Im Herbst 1982 gelang es mit einem Stellnetz vor einer Höhle auf dem Gebiet der Stadt Schaffhausen zwei Männchen zu fangen und im darauffolgenden Winter konnten in der Höhle dann auch zwei winterschlafende Tiere nachgewiesen werden. Dabei blieb es bis im Juli 1994, wo ein Landwirt aus Thayngen in seinem Stall eine Fransenfledermaus fand, welche an einem Fliegenfänger festgeklebt war. Das Tier – ein trächtiges Weibchen – starb jedoch kurze Zeit darauf.

Ziemlich genau ein Jahr später – Mitte Juli 1995 – klebte im selben Stall wieder eine Fransenfledermaus am Fliegenfänger fest. Diesmal handelte es sich um ein frisch flügges Jungtier. Allein der grossen Aufmerksamkeit des Landwirts ist es zu verdanken, dass er auch das Muttertier, welches mit verklebten Flügeln auf dem Stallboden lag, entdeckte, das fast wie durch ein Wunder unverletzt blieb. – Aufgrund eines wertvollen Tipps von Hans-Peter Stutz, dem Leiter der Koordinationsstelle Ost für Fledermausschutz in Zürich, konnten die beiden Tiere mit Baby-Puder, der sich als hautschonendes Bindemittel hervorragend eignet, dann innert kürzester Zeit vom hartnäckigen Klebstoff befreit werden.

Da sich uns nun die Situation bot, dass wir zwei völlig gesunde, flugfähige Fransenfledermäuse vor uns hatten, die aus einer noch unbekannten Wochenstube ganz in der Nähe kommen mussten, zögerten wir nicht lange und rüsteten das erwachsene Weibchen kurzerhand mit einem Telemetrie-Sender aus, wie wir ihn für das Auffinden von Wasserfledermaus-Quartieren bereits mehrfach verwendeten. – Und der Erfolg blieb nicht aus: Nur einen Tag später konnten wir das Tier in der Wandverschalung einer Scheune im nahe gelegenen Barzheim orten, in einer Wochenstube mit rund 20 Alttieren und ebensovielen flüggen Jungtieren. Bei diesem Ergebnis war es denn auch für den Sommer 1995 geblieben. Während den zwei Wochen, wo wir das Sendertier verfolgten, bevor wir es zurückfingen, um den Sender wieder abzunehmen, blieb dieses konstant im gleichen Quartier.

So ist es uns auf einen Schlag gelungen, den Zugang zu einer Fledermausart, über deren Lebensweise bis heute allgemein erst sehr wenig bekannt ist, zu bekommen. Damit tauchte aber auch sofort auch eine Fülle weiterer Fragen auf: Wie verbreitet ist die Fransenfledermaus in unserer Region? Wie steht es um die Gefährdung dieser Art? -Vorderhand lassen sich diese komplexen Fragen nicht so ohne weiteres beantworten, denn es fehlt weitgehend das Wissen über die Ökologie dieser Art. Zwar laufen mittlerweile vereinzelte Studien, doch nach wie herrscht grosser Forschungsbedarf. Hans-Peter Stutz hat sich deshalb dafür engagiert, die Untersuchung der Fransenfledermaus in der Region Barzheim als Thema für eine Diplomarbeit an der Uni Zürich auszuschreiben. Leider hat sich für diese zugegebenermassen aufwendige, aber nicht minder spannende Arbeit bisher niemand gefunden.

Um das vorhandene Wissen, das auf dem Nachweis eines einzigen Quartiers basierte, etwas zu sichern, lancierte der RFE Schaffhausen zusammen mit Wolfgang Fiedler und Dr. Michael Klinger von der AGF-Regionalgruppe Konstanz ein Projekt, dessen erste Ergebnisse wir Ihnen  in Form einer Bild-Collage vorstellen möchten. – Ein herzliches Dankeschön geht dabei auch an die Dorfbevölkerung von Barzheim, die ihre Fledermäuse mittlerweile voll und ganz ins Herz geschlossen hat.

 

Die bekannte Fransenfledermaus Wochenstube hinter der Wandverschalung dieser Scheune bildete den Ausgangspunkt für die Telemetrie-Aktion. Hier wurden insgesamt drei Tiere mit nur knapp 0.8 Gramm schweren Telemetrie-Sendern ausgerüstet.


Fransenfledermausquartier in Scheunenverkleidung
Trotz des Signals der Sender war es vielfach äusserst schwierig, die genaue Lage der neuen Quartiere zu orten. In diesem Gebäude halten sich die Tiere tagsüber in einer Spalte zwischen Hausmauer und Verputz auf, welche nur vom Innern der Scheune, die als Materallager dient, zugänglich ist. Die Einflüge sind durch Kreise markiert.. Wohnhaus von außen
Fledermausjagdgebiet Schliefenhalde Zwei der besenderten Tiere jagten hauptsächlich an der Schliffenhalde in Thayngen, etwa zwei Kilometer südöstlich von Barzheim. Ein Teil dieses Hanges mit gestuftem Waldrand, vielen Hecken und Obstbäumen liegt aufgrund seines hohen ökologischen Wertes bereits unter Naturschutz.

Bisher in unserer Region eher als typisches Langohrquartier bekannt: Ein Quartier in einer Balkenkehle mit bis zu 15 Tieren. Da Fransenfledermäuse erst bei absoluter Dunkelheit ausfliegen und im Innern der Scheune auch tagsüber nicht viel Licht vorhanden ist, mussten wir jeweils eine Infrarot-Videokamera aufstellen, um die Tiere ungestört beobachten zu können.

Fransenquartier in einer Balkenkehle

Fransenquartier in einer Balkenkehle
Fransenfledermaus im Japannetz Die Fransenfledermaus gehört mit einem Gewicht von 7-9 Gramm und einer Flügelspannweite von etwa 25 cm zu den mittelgrossen Fledermausarten. Hier ein Tier, das mit einem Japannetz vor dem Quartier abgefangen wurde.
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