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(wf) Die Geschichte hatte den denkbar schlechtesten Start. Anruf einer
besorgten Anwohnerin aus der Südstadt von Singen Seit Jahren hätte
Sie Fledermäuse über ihrem Balkon und jetzt würde das
Mehrfamilienhaus saniert und das Spaltenquartier soll dabei
verschwinden - das Gerüst werde gerade aufgebaut. Es folgten die
üblichen hektischen Telefonate: was ist zu tun, kennen wir das
Quartier schon, wer ist Ansprechpartner und vor allem: wer aus
unserer Gruppe (rein ehrenamtlicher) Fledermausschützer hat
überhaupt Zeit, jetzt alles stehen und liegen zu lassen und nach
Singen zu eilen? Der Zeitpunkt könnte ungünstiger kaum sein - zwei
von uns sind mitten im Wohnungsumzug, einer auf Reisen, einer
beruflich unabkömmlich, einer nicht auffindbar... Also besannen wir
uns auf den "Dienstweg" und informierten zunächst die Untere
Naturschutzbehörde. Diese verfügte nach einem wenig fruchtbaren
Gespräch mit dem Bauträger einen Baustopp. Damit freilich war der
Zeitdruck für uns keineswegs gelindert, denn Baustopps kosten die
Bauherren Geld und sind ganz und gar nicht dazu geeignet, für ein
kooperatives Klima zu sorgen. Es musste also einfach sein,
Umzugskisten sowie Labor und Büro samt der dort vorhandenen Chefs
sich selbst zu überlassen und vor Ort nachzusehen, was getan werden
kann.
Wir staunten
denn auch nicht schlecht, als wir hinter einer Zierverkleidung aus
Eternit ein offensichtlich schon länger und intensiv genutztes
Quartier fanden, das wir eigentlich nur der Breitflügelfledermaus
zuschreiben können - das zweite Quartier dieser Art im ganzen
Landkreis Konstanz! Fledermäuse waren zum Zeitpunkt unseres Besuches
keine anwesend und so nutzten wir die Chance -nun eindeutig nicht
mehr unter Einhaltung des Dienstweges, wie wir zugeben müssen - das
Quartier durch Abmontieren einiger Platten vorübergehend unbenutzbar
zu machen. Nun hiess es, die Strategie um 180° zu wenden: statt
Baustopp und jedweden Verzögerungen war es im Interesse Aller, die
Sanierung rasch durchzuführen und bald ein Ersatzquartier an
derselben Stelle anzubieten. Wie andere spaltenbewohnende Arten
wechseln Breitflügelfledermäuse je nach Witterung gerne zwischen
mehreren Quartieren und so galt es, das momentane Desinteresse der
Tiere am Sanierungsobjekt auszunutzen.
Ab hier wird
die Sache äusserst erfreulich: Ortstermin mit der "Baugenossenschaft
Hegau" (die wir an dieser Stelle nun gerne erwähnen und der wir für
die unkomplizierte Kooperationsbereitschaft vielmals danken!) und
Beschluss einer allseits zufriedenstellenden Lösung. Der zuständige
Handwerker hatte die passenden Materialmuster fürs neue Quartier
beim Ortstermin gleich dabei, da natürlich niemand mehr ernstlich
den Wiedereinbau von asbesthaltigem Eternit fordern konnte. Die
Naturschutzbehörden bei Landratsamt und Regierungspräsidium
reagierten flott und inzwischen sind die Arbeiten abgeschlossen und
die Fledermäuse können wieder einziehen. Daran freilich hatten sie
in diesem Spätsommer kein Interesse mehr. Wir gehen aber davon aus,
dass die Tiere nach dem Winterschlaf zum Frühjahr ihren gewohnten
Quartierplatz wieder inspizieren werden und dann die sanierte
Örtlichkeit mitsamt neuem Spaltenquartier hoffentlich zu schätzen
wissen. Die besorgte Anwohnerin, die dank Ihrer Aufmerksamkeit den
Stein ins Rollen brachte und das Quartier damit letztlich retten
konnte, wird sich mit uns und allen Beteiligten darüber freuen, wenn
die unverkennbaren, schwarzen Krümelchen den Erfolg der Massnahme
belegen.
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