Verkehrssicherungspflicht einmal anders ...

von Klaus Heck

Nachdem ich nach meinem Zuzug nach Konstanz erste Kontakte mit Fledermauskundlern der Region aufgenommen hatte, wurden mir die Gebäude des Zentrums für Psychiatrie Reichenau als Quartierstandort genannt. Im Frühjahr 2002 machte ich mich also auf, um dort nach AbendseglerFledermäusen Ausschau zu halten. Beim Gang um die Häuser wurde ich nicht fündig. Allerdings schienen mir aus dem angrenzenden Wald Abendsegler zu kommen. Nach zwei weiteren abendlichen Besuchen im April hatte ich das Glück eine Buche gefunden zu haben, die mehrere Höhlen aufwies. Aus zwei dieser Höhlen flogen dann tatsächlich die zuvor am Waldrand beobachteten Grossen Abendsegler aus. Am 18.04.02 flogen mehr als 150 Exemplare aus - der Ausflug war bei Zählbeginn bereits im Gange - am 22.04.02 nur noch 73 Tiere. Bei einem weiteren Besuch Anfang Mai war der Quartierbaum nicht mehr beflogen. 

Auf Grund ähnlicher Beobachtungen mit Abendseglern an meinem früheren Wohnort Kassel, schliesse ich ein Abendsegler- Winterquartier in der Buche nicht aus, dabei weiss ich natürlich, dass Beobachtungen im April keinen Beweis für ein Winterquartier darstellen. Die von den Fledermäusen bewohnte Buche, sowie mehrere Bäume in der Umgebung, die unmittelbar an einem gut frequentierten Weg standen, waren mit Signierfarbe gekennzeichnet. Ich nahm an, dass dies das Ende dieser Bäume sein könnte. Ich nahm Kontakt mit dem zuständigen Forstamt bzw. dem zuständigen Revierförster Herrn Kreuz auf. Tatsächlich stellte sich schnell heraus, dass die Verkehrssicherungspflicht am stark begangenen Weg Durchforstungsmassnahmen vorsah bei dem auch besagter Abendseglerbaum gefällt werden sollte. Bei einem ersten Ortstermin mit dem Revierförster zeigte sich dieser äusserst kooperativ und versprach nur die Krone zu kappen um die Kronenlast vom stark ausgefaulten Stamm zu nehmen. 

Die Durchforstungsmassnahmen sollten im kommenden Winter vorgenommen werden, ein weiterer Ortstermin wurde deshalb für den Spätherbst vereinbart. Da ich keine weiteren Kontrollen mehr durchführte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, ob der Baum besetzt war. Die Baumarbeiten fanden dann im Zeitraum Januar / Februar 2003 statt. Dem Abendseglerbaum wurde bis auf einen grünen Ast die Krone entfernt. Nach Einschätzung des Forstmannes kann der Stamm noch mindestens 5 Jahre stehen bleiben. Herrn Kreuz gilt der Dank für die gute Kooperation, den Fledermäusen wurde ein grosses Quartier erhalten - eine Zählung am 17.04.2003 ergab 191 ausfliegende Tiere. Den Abendseglern folgte in diesem Jahr allerdings ein Bienenvolk welches die beiden Hauptausflugslöcher der Abendsegler nutzt. Ich bin gespannt, ob die Fledermäuse zurückkehren.


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