![]() Abbildung 1: Vorkommen des Großen Mausohrs (Myotis myotis) im Kanton Schaffhausen und im Landkreis Konstanz. Karten vergrößert anzeigen |
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Dennoch lässt sich aus den vorhandenen Daten ein recht aufschlussreiches Bild zusammensetzen, wie die Kartendarstellungen zeigen. In Abbildung 1 wird ersichtlich, dass sich ein relativ dichter Teppich von Mausohrquartieren über den gesamten Landkreis Konstanz und den Kanton Schaffhausen erstreckt. Zwischen den Wochenstuben der Weibchen liegen weit verteilt die Männchenquartiere, als die Quartiere, die von einzelnen Männchen bewohnt werden, die dann im Spätsommer "Besuch" von den Damen erhalten. Direkt in den grösseren Städten -
Konstanz, Radolfzell, Singen und Schaffhausen - fehlen Mausohrvorkommen
fast vollständig, obwohl auch hier geeignete grosse Dachstühle z.B. in
Kirchen oder alten Schulhäusern zur Verfügung stünden und wir nicht
wenige davon gezielt abgesucht haben. Warum das so ist, könnte
möglicherweise mit den weiteren Wegen zu den Jagdgebieten erklärt
werden. Allerdings wissen wir, dass Mausohren während Ihrer nächtlichen
Nahrungsflüge ohne weiteres 20 km und mehr zurücklegen können, um
ergiebige Wälder oder Offenflächen mit schütterem Bodenbewuchs für die
Jagd aufzusuchen. Eine andere denkbare Erklärung für die Abwesenheit von
Mausohren in den grösseren Städten könnte in der Beschaffenheit der Wege
zu den Jagdgebieten liegen und nicht unbedingt in ihrer Länge: hell
erleuchtete Strassenzüge und Wohngebiete dürften den Fledermäusen beim
nächtlichen Ausflug kaum zusagen. Wer bei Ausflugbeobachtungen an den
Quartieren einmal beobachtet hat, wie sich Mausohren in waghalsigen
Sturzflügen auf direktem Weg in die Deckung dunkler Buschreihen begeben,
um sich vor Eulen und anderen Feinden zu verbergen, der kann sich leicht
vorstellen, dass kilometerlange Flüge durch erleuchtete Stadtviertel
nicht gerade der Traum eines Mausohrs sind. Sieht man von den Mausohren
im bewaldeten Friedhof von Schaffhausen ab, sind die einzigen echten
"Stadtquartiere", die wir kennen, je ein Männchenquartier in Engen und
Stein am Rhein sowie die Wochenstube in Engen, die jedoch durch einen
innerstädtischen Grünzug mit dem Umfeld vernetzt ist. Generell können
wir also aus dem Verteilungsmuster der Sommerquartiere schliessen, dass
in unserer Region kleinere Ortschaften eher attraktiv für Mausohren
sind. |
![]() Abbildung 2: Wochenstuben des Großen Mausohrs wie in Abb. 1, jedoch wurden zur Verdeutlichung der Quartierabstände und der Verteilung über die Fläche je zwei Kreise mit dem (willkürlich und ohne ökologische Bewandnis ausgewählten) Radius von 5 bzw. 10 km eingetragen. Karten vergrößert anzeigen |
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Weiterhin fällt die spärliche
Verteilung von Mausohren auf dem Bodanrück bis hin nach Konstanz auf. In
diesem Bereich haben wir alle Kirchen und eine Reihe anderer grosser
Dachstühle kontrolliert, im ganzen Bereich zwischen Konstanz und
Allensbach aber nur ganze 4 Männchenquartiere und keine Wochenstube
gefunden. Abbildung 2 verdeutlicht diese auffällige Lücke noch mehr:
während von nahezu jedem beliebigen Punkt im gesamten Kanton
Schaffhausen und im Landkreis Konstanz eine Mausohr-Wochenstube in
weniger als 10 km Entfernung erreicht wird (gestrichelte Kreise um die
bekannten Wochenstuben herum), ist das nur beim östlichen Bodanrück
nicht der Fall. Ist dieser waldreiche und in vielen Bereichen naturnahe
Winkel am westlichen Bodensee wirklich so arm an Mausohren? Haben wir
das Quartier in der Tat einfach noch nicht gefunden? Oder wurde es
unbemerkt schon vor Jahren zerstört? Oder wird der Bodanrück von
Bewohnern der grossen Wochenstube in Markelfingen bei Radolfzell in
Beschlag genommen, die im Süden und Westen weniger attraktive
Jagdgebiete vorfinden? Für weniger wahrscheinlich halten wir, dass
Mausohren regelmässig über die Wasserflächen des Sees zu Quartieren im
Bodenseekreis oder im Kanton Thurgau fliegen.
Eine interessante Geschichte
verbirgt sich auch hinter der Wochenstube, die in Abbildung 2 zwischen
den Orten Radolfzell und Aach zu erkennen ist: stellen Sie sich vor,
welche auffällige Lücke hier ohne diese Wochenstube (im Ort Es gibt eine Reihe von Hinweisen aus unserer Region und von umfangreichen Untersuchungen z.B. der Kollegen aus Bayern, wonach Mausohr-Wochenstuben durchaus in Austausch untereinander stehen. Das bedeutet, dass Tiere bei Störungen in einem Wochenstubenquartier durchaus in eine andere Wochenstube umziehen können. In diesem Sinne können wir die Mausohrwochenstuben als Knoten eines Quartiernetzes auffassen - und für dieses Netz gilt, was eigentlich grundsätzlich für alle Netze gilt: je mehr Knoten bestehen und je gleichmässiger sie verteilt sind, desto stabiler ist es. Für uns verbirgt sich damit hinter der erfreulich mit Symbolen angefüllten Karte der Mausohrvorkommen vor allem auch die Botschaft, dass wir es hier nicht mit einem ohnehin am Rande des Aussterbens befindlichen Fledermaus-Restbestand zu tun haben, sondern mit einem nennenswerten Vorkommen, für dessen langfristigen Erhalt sich der Einsatz im Fledermausschutz wirklich lohnt. Als weiterführende Information gibt es hier eine Darstellung zur Situation (Jahr 2003) der Mausohr-Wochenstuben in der östlichen Landeshälfte der Schweiz im Vergleich mit dem Kanton Schaffhausen als PDF Datei (ca. 0,6 MB).
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