Der kleine Grenzverkehr der Mopsfledermäuse ...

... In diesem und im letzten Jahr wurde im Klettgau und im Wutachgebiet mittels Telemetrie nach Quartieren und Jagdgebieten der seltenen und vom Aussterben bedrohten Mopsfledermaus gesucht. Dabei zeigte sich: Mopsfledermäuse wohnen bevorzugt in Deutschland und jagen in der Schweiz.


(ndu) Der erste Nachweis der Art im Klettgau geht in den Sommer 1981 zurück. Damals brachte eine Katze in Hallau eine tote Mopsfledermaus mit nach Hause. Im Jahr 1990 entdeckte Michael Widmer eine winterschlafende Mopsfledermaus im Kehrtunnel der Sauschwänzlebahn. Erst 2003 gelang es der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Freiburg im Breisgau die Existenz einer grösseren Mopsfledermauspopulation im Wutachgebiet und im Kanton Schaffhausen nachzuweisen. Nach dieser kleinen Sensation wurde nun diesseits und jenseits der Grenze nach der Mopsfledermaus gefahndet. Hauptaugenmerk wurde dabei auf die Suche nach Wochenstuben gerichtet, da diese für den Schutz dieser sehr seltenen Art besonders wichtig sind.
Radiotelemetrie ist eine bewährte Methode, um Wochenstuben von Fledermäusen zu finden. Um eine Fledermaus zu telemetrieren, muss man sie jedoch erst einmal fangen. Und dies stellte uns vor eine grosse Geduldsprobe! Wir spannten Netze quer über Wege im Wald. Stets ausgerüstet mit einem
Detektor, hörten wir an einigen Orten Mopsfledermäuse an uns vorbeifliegen. Doch leider flogen sie auch an den Netzen vorbei und allzu oft mussten wir unsere Netze ohne Fangerfolg wieder abbrechen.
Der erste Fang eines säugenden Mopsfledermausweibchens gelang letztes Jahr im Wald oberhalb von Hallau. Das Tier wurde mit einem 0.5 g schweren Minisender ausgerüstet und mit Peilantennen verfolgt. Für die nachfolgende nächtliche Insektenjagd nutzte es den Wald und den Hallauer Rebberg. In den frühen Morgenstunden war nun die Spannung gross, wohin das Tier zu seiner Wochenstube fliegen würde. Zu unserer grossen Enttäuschung war das Sendersignal jedoch plötzlich weg. Ganz Hallau wurde erfolglos abgesucht. Danach ging die Suche aber über der Grenze auf deutscher Seite weiter und tatsächlich, das vertraute Piep-Signal im Telemetrie-Empfänger ertönte wieder. Rund 600 m von der Schweizer Grenze entfernt, in Eberfingen an

Mopsfledermaus

Abbildung 1: Mit ihrem Mopsgesicht und den auf der Stirn verwachsen Ohren ist die Mopsfledermaus unverwechselbar.

Foto: Claude Steck


einem alten baufälligen Haus, konnte die Wochenstube entdeckt werden. Rund 16 erwachsene Tiere hatten ihr Quartier mit ihren Jungen hinter dem einzigen Fensterladen bezogen, der noch nicht vom Sturm heruntergerissen worden war.

Im selben Wald fingen wir diesen Sommer erneut ein säugendes Mopsfledermausweibchen. Dieses Tier nutzte ausschliesslich den Hallauer Wald zur Jagd, auch in den darauf folgenden Telemetrienächten flog es jeweils schnurstracks dorthin und verweilte dort. Zu unserer grossen Überraschung führte uns dieses Sendertier aber nicht nach Eberfingen, sondern bis nach Stühlingen zu seiner Wochenstube. Einmal mehr telemetrierten wir also eine Grenzgängerin mit Wohnsitz in Deutschland, die zur Jagd in die Schweiz ausfliegt. Und diese Mopsfledermaus nahm für das Schweizer Futter sogar eine 4 km weite Anflugstrecke in Kauf!

Die neu entdeckte Wochenstube in Stühlingen (Abbildung 2) verteilte sich auf mehrere Fensterläden an einer Hausfassade. Bei einer Ausflugszählung konnten 45 Tiere gezählt werden. Rund drei viertel der Tiere flogen hinter den Läden beim obersten Fenster hervor. Die einfachen Bretterläden ohne Lamellen scheinen die Mopsfledermäuse besonders zu mögen. Beim Quartier in Eberfingen (Abbildung 3) handelte es sich um einen kombinierten Fensterladen, der nur in der oberen Hälfte mit Lamellen versehen war. Die Tiere befanden sich dort im unteren Teil, ebenfalls hinter einem Brett.
 

Wochenstube in Stühlingen

Abbildung 2: Eine 45-köpfige Wochenstubenkolonie wurde hinter den oberen Fensterläden an diesem stattlichen Haus in Stühlingen entdeckt.
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Foto: Nicole Duvoisin


Mopsfeldermäuse hausen nicht nur gerne hinter Fensterläden, sie beziehen auch gerne Verstecke an abgestorbenen Bäumen. Im Ergoltingertal bei Neunkirch telemetrierten wir letztes Jahr ein Mopsfeldermausweibchen und
ein -männchen. Beide bewohnten ausschliesslich Verstecke an toten Bäumen. Wir konnten sechs Föhren und eine Buche ermitteln, an denen die Mopsfledermäuse hinter losen, halb abgeblätterten Rindenschuppen Unterschlupf fanden. Diese etwas instabilen Quartiere wechselten sie häufig, manchmal sogar täglich. Ein Verhalten, das typisch ist für die Mopsfledermaus wie Untersuchungen aus anderen Ländern bestätigen. Im Laubmischwald vom Ergoltingertal stehen noch zahlreiche tote Föhren (Abbildung 4) in verschiedenen Zerfallstadien, deshalb kann man das Angebot möglicher Quartierbäume als intakt bezeichnen. Laut dem zuständigen Förster sind diese toten Bäume auch nicht gefährdet - wenigstens solange sie kein Sturm umwirft oder das Alter zu Fall bringt.
Unsere Kollegen aus Freiburg starteten ihre Telemetrieaktionen von Deutscher Seite im Wutachgebiet. So kamen noch weitere Quartiere ans Licht, beispielsweise ein Zwischenquartier hinter einem Fensterladen in Oberwiesen bei Schleitheim. Die grossen Wochenstuben an den Gebäuden befinden
Wochenstube in Eberfingen

 

 

Abbildung 3: Die Wochenstube in Eberfingen befand sich in einer Traube hinter dem einzigen Fensterladen.

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Foto: Nicole Duvoisin

 


sich bis jetzt allerdings alle auf deutschem Gebiet. Doch wer weiss, vielleicht wartet die erste Schaffhauser Wochenstube noch darauf entdeckt zu werden. Werfen Sie doch mal einen Blick hinter ihre Fensterläden!

Ein grosses Dankeschön geht an die Pro Natura und an das kantonale Naturschutzamt für die finanzielle Unterstützung dieses wichtigen Projekts! Mein herzlicher Dank gilt auch allen Mitarbeitenden aus Freiburg, Radolfzell und Schaffhausen, insbesondere Alexandra Sproll und Thomas Nabulon, die mich manch langen Nächten mit Begeisterung und Tatendrang unterstützten. Ich werde weiter dran bleiben an den Mopsfledermäusen und hoffentlich etwas tun können in unserer Region für die Erhaltung und Förderung dieser bedrohten Fledermausart.

Typische Mopsfledermausbaum

 

Abbildung 4: Typischer Mopsfledermausbaum im Ergoltingertal. Die Tiere halten sich häufig hinter der sich ablösenden Borke von Totholz auf.

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Foto: Nicole Duvoisin

 


 

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