Projekt: Fledermäuse der Gattung Pipistrellus in der Stadt Schaffhausen 

(ndu) Fledermausquartiere lassen sich aufgrund des Quartiertyps und der darunter liegenden Kotkrümel oft schnell der Gattung Pipistrellus zuordnen. Schwieriger ist es zu bestimmen, um welche Art es sich handelt, denn die vier einheimischen Arten der Gattung Pipistrellus sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Unter anderem müssen mit Hilfe einer Lupe Merkmale am Gebiss sorgfältig geprüft werden. So weist zum Beispiel die Weissrandfledermaus einen einspitzigen ersten oberen Schneidezahn auf, während dieser bei Zwerg-, Mücken- und Rauhautfledermaus zweispitzig ist.

Um dem Vorkommen der vier Arten auf den Grund zu gehen, führten wir im Auftrag des Stadtökologen im Sommer 2004 ein Projekt durch. Bei den bekannten Fledermausquartieren der Gattung Pipistrellus wollten wir Tiere fangen und eine Artbestimmung durchführen.

Dieses Unterfangen war nicht ganz so einfach. Je nach Lage des Quartiers wurde der Fangversuch mit einem Stellnetz, einem Kescher oder einer eigenen Konstruktion aus Alustangen und Netzen unternommen. Bei unserem ersten Abfangversuch flogen sämtliche Pipistrelli am Netz vorbei, dafür aber erwischten wir ein Weibchen des Grossen Mausohrs, welches am selben Haus, für Mausohren eher ungewöhnlich, in einer Gebäudespalte hauste. Bei einem zweiten Versuch klappte es dann mit den Zwergen, wir bestimmten sie als Weissrandfledermäuse. Dieses Quartier ist für Weissrandfledermäuse ungewöhnlich gross, wurden hier doch schon über 60 Tiere beim Ausflug gezählt.

Überraschend war der Abfang bei einem Wohnblock. Aus einer Mauerfuge bei einem Rollladenkasten flogen sowohl Zwerg- als auch Weissrandfledermäuse. Dass gemischte Kolonien bei Zwergfledermäusen (mit Rauhaut und Weissrandfledermäusen) möglich sind, ist hingegen auch in der Literatur zu finden. Voraussetzung für einen erfolgreichen Abfang ist jeweils die genaue Kenntnis des Ausflugsortes.

 

Pipistrellus Quartiere im Kanton Schaffhausen

 

 

Fledermausquartiere der Gattung Pipistrellus im Kanton Schaffhausen.


Da Fledermäuse je nach klimatischen Bedingungen innerhalb ihrer Quartiere wandern können, war der Ausflugsort nicht immer an der erwarteten Stelle. Bei einem Quartier unter einer Metallblende narrten uns die Fledermäuse als sie nicht an der uns bekannten Stelle hervorkamen, sondern zwei Hausecken weiter. Wir zählten so um die 30 Tiere und bestimmten sie bei unserem zweiten, diesmal erfolgreichen Abfang als Zwergfledermäuse. Bei Schaffhausens „Rekordquartier“ wohnen die Tiere in einem Zwischendach. Über 200 Tiere wurden hier schon gezählt. Leider durften wir hier keinen Abfang durchführen, erhielten dafür aber ein totes Tier, welches als Zwergfledermaus bestimmt wurde.

Auch die Anwesenheitszeit der Tiere im Quartier kann Aufschluss über die Art geben. Zwergfledermäuse haben ihre Jungenaufzucht meist Ende Juli abgeschlossen und verschwinden dann aus ihren Wochenstubenquartieren. Beim Quartier der Weissrandfledermäuse waren die Tiere jedoch Ende August noch anwesend.

Sommerquartiere der Rauhaut- und der Mückenfledermaus konnten wir in der Stadt Schaffhausen keine finden. Eine Frage der Zeit? Am Bodensee im Kanton Thurgau sind vor einiger Zeit die ersten Wochenstuben der Mükken- und Rauhautfledermaus entdeckt worden.
 

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