![]() Abbildung 1: Sommerquartiere der Zwergfledermaus (inkl. der vermuteten Fälle ohne eindeutige Artzuordnung) im Landkreis Konstanz. |
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![]() Zwergledermaus
Foto: fledermausschutz.ch |
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Etwa in der zweiten Juniwoche kommen dann die Jungen - in der Regel Zwillinge - zur Welt, die bereits Mitte Juli so selbständig sind, dass sich die Wochenstubengruppen hierzulande spätestens in der zweiten Julihälfte wieder völlig auflösen. Dieses frühe Verschwinden von den Wochenstubenquartieren ist regelmässig Anlass zur Sorge („unsere Fledermäuse sind plötzlich weg!“), aber auch zur Entspannung in Fällen, in denen der Fledermauskot beispielsweise in lästigem Umfang auf die Gartenmöbel rieselte. Ausserdem können wir dieses Belegungsmuster mit einigermassen guter Sicherheit sogar zur Artbestimmung verwenden: Bei kleinen Spalten bewohnenden Fledermäusen, deren Wochenstuben sich bereits Mitte Juli auflösen, handelt es sich nahezu immer um Zwergfledermäuse. Sind solche Gruppen noch im August und bis in den September hinein anwesend, handelt es sich fast verlässlich um Bartfledermäuse. Die geheimnisvolle zweite Jahreshälfte Was machen unsere Zwerge mit dem Rest des Sommers? Um ehrlich zu sein: Wir wissen es nicht genau. Von den höheren Lagen (oberhalb etwa 500 m Meereshöhe) liegen eine Reihe Funde männlicher Zwergfledermäuse vor, die dort im Spätsommer und Herbst offenbar auf paarungswillige Weibchen warten. Aus anderen Regionen Mitteleuropas sind aus der Zeit nach Auflösung der Wochenstuben grosse, teilweise spektakuläre „Schwärmquartiere“ bekannt, in denen sich bis über 1000 Zwergfledermäuse treffen. Diese Schwärmquartiere werden von manchen Fledermäusen aus bis zu 20 km Entfernung jede Nacht angeflogen, andere wandern von weiter her an und bleiben dann länger vor Ort. Die Funktion dieser Schwärmquartiere ist nicht genau bekannt, sie scheinen aber eine Art Sozialbörse zu sein. Bedeutende derartige Schwärmquartiere sind für Baden-Württemberg beispielsweise das Heidelberger Schloss, der Isteiner Klotz bei Freiburg oder die grosse Gerberhöhle auf der Schwäbischen Alb. In unserer Region kennen wir kein derartiges Schwärmquartier. Ob unsere Zwerge nach der Wochenstubenzeit vielleicht Wanderungen über bis zu 100 km zu solchen Schwärmquartieren durchführen? Vielleicht gibt es aber auch kleinere Schwärmereien in unserer Gegend, die wir einfach noch nicht entdeckt haben. Auch ein weiteres Verhalten, das Fledermausschützer in anderen Regionen regelmässig in Stress versetzt, tritt bei uns offenbar kaum auf: Zwergfledermausinvasionen. Es handelt sich dabei meist um Jungtiere aus dem selben Jahr – jedoch auch einige Alttiere –, die zwischen August und Mitte September in Gruppen zwischen 20 und in Extremfällen über 300 Individuen in Wohnräume einfliegen und dort dann hinter Schränken, Bildern oder Gardinen Unterschlupf suchen. Während es meist eher die menschlichen Betroffenen solcher Invasionen sind, die Hilfe benötigen, kann es auch vorkommen, dass die Fledermäuse selbst eine Hilfestellung benötigen, um den Weg ins Freie wieder zu finden. All dies ist aber - wie gesagt - bei uns kein Thema. Zwergfledermäuse in unserer Gegend machen sich zwischen Mitte Juli und dem März des folgenden Jahres schlichtweg sehr rar. Dies gilt auch für die eigentliche Winterzeit, die Zwergfledermäuse in Spalten an Gebäuden, in Felsen oder auch innerhalb von Höhlen und Stollen verbringen. Die kleine Unbekannte: die Mückenfledermaus Nach der relativ häufig anzutreffenden Zwergfledermaus soll nun noch die Rede von anderen Mitgliedern aus der Sippe der „Pipistrellis“ sein, die ebenfalls in unserer Region regelmässig zu finden sind. Lange Zeit wurden die Mückenfledermäuse (Pipistrellus mediterraneus, manchmal auch Pipistrellus pygmaeus genannt) einfach übersehen, weil man sie für Zwergfledermäuse hielt. Erst genauere Analysen der Ultraschallrufe und des Erbmaterials zeigten, dass es sich um eine eigene, wenn auch äusserlich nur sehr schwer unterscheidbare Zwillingsart handelt. Wie von einer Art nicht anders zu erwarten, deren Erkennung selbst in der Hand Probleme bereitet und die sich darüber hinaus noch nicht einmal ein Jahrzehnt auf den Artenlisten der Fledermauskundler befindet, sind Kenntnisse zu Vorkommen und Lebensweise noch spärlich. Mückenfledermäuse leben offensichtlich regelmässig im Konstanzer Raum, in der Umgebung von Radolfzell und vermutlich an weiteren Stellen eher in Seenähe. Auch anderswo scheinen Mückenfledermäuse stärker an Wasser gebunden zu sein als Zwergfledermäuse. In Baden-Württemberg sind die weitaus meisten Vorkommen entlang von Rhein und Neckar bekannt. Bisher haben sich alle Funde im Landkreis Konstanz und im Kanton Schaffhausen allerdings auf Nachweise jagender Tiere mit dem Fledermaus-Detektor beschränkt. Hier tun uns die Mückenfledermäuse den Gefallen, dass sich ihre Haupt- Ortungsfrequenz mit 55 kHz doch recht deutlich von derjenigen der Zwergfledermäuse (45 kHz) unterscheidet. Der echte Neubürger: die Weissrandfledermaus
Während die Neuankunft der
Mückenfledermaus also eher künstlicher Natur ist und letztlich nur aus
einer Änderung der Arteinteilungen resultiert, ist die
Weissrandfledermaus (Pipistrellus kuhli) ein echter Zuwanderer. Über
diese Art, die Ende des 20. Jahrhunderts von Süden her alle geeigneten
Regionen der Schweiz besiedelt hat und in den letzten 10 Jahren merklich
auch auf deutschem Boden Fuss fasst, haben wir bereits mehrfach an
dieser Stelle berichtet. Innerhalb Deutschlands ist der Raum Konstanz
mit einem guten Dutzend Einzelfunden aus den letzten Jahren, darunter
auch flugunfähigen Jungtieren, und mit einer bekannten Wochenstube
(gefunden 2005 von Klaus Heck) die Gegend mit der höchsten Funddichte
dieser Art. Auf schweizer Seite gibt es regelmässig belegte Quartiere
vor allem im Stadtgebiet von Schaffhausen. Weissrandfledermäuse - im
Mittelmeerraum übrigens eine der häufigsten Arten - sind hierzulande
offenbar echte „Städter“. Dies mag unter anderem mit den dortigen,
milderen Winterbedingungen zu tun haben. Aus anderen Gegenden ist
bekannt, dass Weissrandfledermäuse keine ausgeprägten Wanderungen
durchführen und Funde im späten Herbst scheinen dies auch für unseren
Raum zu bestätigen. |
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Weissrandfledermaus
Foto: fledermausschutz.ch
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Insgesamt zeigt schon dieser knappe Einblick in das Leben der
verschiedenen Vertreter aus dem Clan der „Pipistrellis“ - also der
Zwergfledermäuse im weiteren Sinne dass Fledermausart eben nicht
gleich Fledermausart ist und wir es mit einer Vielzahl
unterschiedlicher Lebensweisen, ökologischer Ansprüche und nicht
zuletzt auch Quartiertypen zu tun haben. Dies ist nicht nur aus
biologischer Sicht höchst spannend, sondern spielt auch bei den
Schutzbemühungen eine wichtige Rolle - denn was beispielsweise der
Rauhautfledermaus hilft, muss noch lange nicht das Beste für die
Zwergfledermaus sein. |
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© Copyright 2010 BUND Naturschutzzentrum Westlicher Hegau o Alle Rechte vorbehalten o Seitengestaltung: Dr. Michael Klinger o Wir wünschen allen Kunden und Fledermausfreunden viel Erfolg beim Fledermausschutz im Jahr 2012 o last updated 14.01.2012