Brandtfledermaus in Trasadingen ...

... Die Entdeckung der 16. Fledermausart im Kanton Schaffhausen und der Wochenstube einer bisher bei uns weitgehend unbekannten Art

(ds/hua) Auffällig waren bei der Kontrolle des Quartieres, das über unsere öffentliche Aufruf- Aktion gemeldet wurde, die Kotkrümel: Irgendwie waren sie deutlich zu gross für Zwergfledermäuse oder Kleine Bartfledermäuse, irgendwie aber auch wieder zu klein für Langohren, auch wenn man sie von ihrer Struktur her am ehesten dieser Art hätte zuordnen können. Aus diesem Grund beschlossen wir, der Sache auf den Grund zu gehen und einen Stellnetzfang vor dem Quartier, das hinter der Wandverschalung eines älteren Einfamilienhauses liegt, durchzuführen.
 

Chegeli von Brandtfledermäusen

Die „Chegeli“ von Brandtfledermäusen scheinen im Vergleich zu den Kleinen Bartfledermäusen grösser
und unregelmässiger strukturiert zu sein.

Foto: Deborah Schneider

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Die Überraschung war perfekt, als am 25. Juni 2009 von insgesamt rund 40 ausfliegenden Tieren sieben säugende Brandtfledermaus- Weibchen ins Netz gingen. Nicht nur war diese Fledermausart im Kanton Schaffhausen zuvor noch nie nachgewiesen worden, sondern die Trasadinger Wochenstube ist auch der erste bekannte Fortpflanzungsnachweis dieser Fledermausart in der weiteren Umgebung. Gemäss eigenen Recherchen könnte es sich um den ersten sicheren Fortpflanzungsnachweis in der ganzen Schweiz handeln. Auch in Südbaden ist bisher keine Brandtfledermauswochenstube bekannt. Die nächste Wochenstube dieser seltenen Art befindet sich gemäss Auskunft von Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg bei Karlsruhe. Aber immerhin: Vor einigen Jahren konnten im Rahmen einer Studie im Wutach-Gebiet die Brandtfledermaus bei Stellnetzfängen im Gelände bereits einmal sicher nachgewiesen werden.

Laut den Hausbesitzern besteht diese Wochenstube schon seit mindestens 20 Jahren. In Anbetracht der Tatsache, dass eine so grosse Wochenstube während so langer Zeit unbemerkt bestehen konnte, ist es auch durchaus wahrscheinlich, dass in unserer Region noch weitere Quartiere dieser bisher weitgehend unbekannten Fledermausart existieren.
 

Blick in die Wandverschalung

Blick in die Wandverschalung, aus der die Brandtfledermäuse ausfliegen. Noch bleibt vor der anstehenden
Sanierung der Fassade herauszufinden, wo genau sich die Tiere verstecken.
Foto: Deborah Schneider

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2010: Grenzüberschreitendes Projekt zur Erforschung der Brandtfledermaus

Eigentlich sollte die Fassade des besagten Einfamilienhauses bereits dieses Jahr komplett saniert werden, womit neben einem drohenden Quartierverlust auch gleichzeitig das Risiko bestanden hätte, dass wir den Zugang zu dieser eben entdeckten Fledermausart verlieren. Dies bot den Anlass, beim Planungs- und Naturschutzamt des Kantons Schaffhausen und bei Pro Natura Schaffhausen vorstellig zu werden und kurzfristig ein Projekt ins Leben zu rufen, welches zum Ziel hat, mehr über die Lebensweise der Brandtfledermaus zu erfahren. Geplant ist, dass, ausgehend von der bekannten Wochenstube, Mitte Mai und Mitte Juni für jeweils 10 bis 20 Tage je drei bis vier Tiere mit nur knapp 0.4 Gramm leichten Peilsendern ausgerüstet werden. Dabei erhoffen wir uns, dass die Tiere in weitere Quartiere wechseln, von deren Beschaffenheit wir dann insgesamt auch Rückschlüsse auf Schutzmassnahmen im Hinblick auf die anstehende Sanierung ableiten können. Möglicherweise gelingt es sogar herauszufinden, wohin die Tiere nach Auflösung der Wochenstube Anfang Juli plötzlich verschwinden.
 

Brandtfledermaus

 

Brandtfledermaus

Foto: Hansueli Alder

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Da die Wochenstube in Trasadingen nur wenige hundert Meter von der deutschen Grenze entfernt liegt, war von Anfang an klar, dass das Projekt grenzüberschreitend koordiniert werden muss. Dabei war es naheliegend, den Kontakt und die Zusammenarbeit mit unseren Kollegen zu suchen, die wir vom Mopsfledermaus-Projekt Wutachtal/Klettgau her kennen. Und so wie’s im Moment aussieht, erhalten wir nicht nur deren Unterstützung, sondern es steht in Aussicht, dass sich das Regierungspräsidium Freiburg aktiv finanziell am Projekt beteiligt, so dass wir den Fokus neben den Quartieren auch auf die ebenso interessante Untersuchung der Jagdgebiete richten können. Damit würden wir mit möglichst kleinem Aufwand und möglichst geringer Belastung von Tieren einen möglichst grossen Nutzen erzielen, was im Interesse aller Beteiligten und natürlich der Fledermäuse wäre.

Brandtfledermaus Myotis brandtii

(ds) Brandtfledermäuse (auch Grosse Bartfledermäuse genannt) haben eine auffällige Ähnlichkeit zu ihren etwas kleineren Verwandten, den Kleinen Bartfledermäusen. Die sichere Unterscheidung der Arten am lebenden Tier ist nicht einfach und kann nur unter Einbezug mehrerer Merkmale erfolgen: Beim Gebiss von Brandtfledermäusen sind beispielsweise der zweite und der dritte Prämolar des Unterkiefers ähnlich gross, während bei demjenigen der Kleinen Bartfledermäuse der dritte Prämolar deutlich kleiner ist als der zweite und dieser etwas weiter nach innen verschoben liegt. Brandtfledermäuse haben ausserdem meist herzförmige Nasenlöcher sowie etwas längere Unterarme (33.5 - 38.1 Millimeter im Vergleich zu 32.0 - 36.5 Millimeter). Weil ihre Unterscheidung so schwierig ist, werden die beiden Bartfledermäuse mancherorts zusammen erfasst. Dies erschwert eine genaue Bestandesangabe für Brandtfledermäuse, die als stark gefährdet gelten. In ganz Baden-Württemberg sind bisher nur drei Sommerquartiere dieser Fledermausart bekannt (Siemers und Nill, 2002). Aufgrund unserer Erkenntnisse und den Erkenntnissen von einer Fangnacht am Weissenstein (Kanton Solothurn) im Spätsommer 2009 wurde der Bestimmungsschlüssel der Stiftung Fledermausschutz im vergangenen Herbst überarbeitet und angepasst.
 

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