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(ai) Das
Hauptziel der Arbeit ist es, einen Einblick in die Jagdgebiete der
Fransenfledermäuse zu erhalten. Das heisst, es ist eine Fortsetzung
und Intensivierung der Untersuchungen die in den vorangegangenen
Jahren in Barzheim durchgeführt wurden. Die Fragen die ich im
Verlauf dieses Jahres beantworten wollte, sind unter anderem, welche
Umgebung Fledermäuse für ihre Jagd bevorzugen, ob sie individuelle
Jagdterritorien haben und ob die Tiere im Frühjahr ganz andere
Gebiete nutzen als im Herbst.
Um etwas mehr
über die Gewohnheiten der Fransenfledermäuse zu erfahren, werden die
Tiere für die Dauer von ein bis zwei Wochen mit einem kleinen Sender
ausgerüstet und in ihre Jagdgebiete verfolgt. In Barzheim, wo die
Arbeit stattfinden sollte, hielten sich im Frühjahr jedoch nur sehr
wenige Fransenfledermäuse auf. Der Versuch, sie auf ihrer
Flugstrasse an einer Hecke des Dorfrandes abzufangen, ist leider
gescheitert. Die nächste Fangaktion wurde in zwei von den
Untersuchungen in den Vorjahren bekannten Jagdgebieten durchgeführt.
Glücklicherweise liessen sich dort vier weibliche Fransenfledermäuse
fangen, wovon zwei mit Sendern ausgerüstet wurden. Die Suche nach
den beiden besenderten Tieren am folgenden Tag war dann voller
Überraschungen: Die Tiere hielten sich tagsüber nicht wie zuerst
erwartet oder erhofft in Barzheim auf. Erst nach längerer Suche
erhielten wir schliesslich in Binningen ein Signal aus dem
Empfänger. Es stellte sich heraus, dass sich beide Tiere in einem
Loch der rund 1.5 Meter dicken Turmmauer der St. Blasius Kirche
aufhielten.
Aufnahmen mit
der Infrarot-Videokamera haben gezeigt, dass sich in diesem Quartier
zeitweise fast 120 Alttiere aufhalten - ein beeindruckendes
Ergebnis, zumal in der Region bisher nichts ähnliches bekannt ist!
Daneben bieten die Mauern des Kirchturms den Tieren noch unzählige
weitere Versteckmöglichkeiten, wovon einige auch deutliche Spuren
von Fledermäusen aufweisen. Da Fransenfledermäuse dafür bekannt
sind, dass sie ihr Quartier häufig wechseln und wir bisher jeweils
nur vor einem Loch in der Mauer gefilmt haben, ist es durchaus auch
möglich, dass die Anzahl Tiere der Kolonie noch höher liegt.
Abfänge haben gezeigt, dass sich im Frühjahr nur erwachsene Weibchen
in dem Quartier aufhalten. Ein sehr hoher Anteil der Tiere war zu
der Zeit trächtig. Dass es sich bei der Kirche definitiv um eine
Fransenfledermaus-Wochenstube handelt - der erste Nachweis im
Landkreis Konstanz - stellten wir Mitte Juni fest, als wir unterhalb
des Quartiers ein 1-2 Tage altes Junges fanden.
Anfang Juli waren die ersten Jungtiere schon flügge, und die Kolonie
löste Anfang August ihre Wochenstube auf. Die Tiere suchten in
kleineren Gruppen neue Quartiere ausserhalb der Kirche auf, zum Teil
in Gebäuden in Binningen, aber auch in Baumhöhlen im Wald am
Hohenstoffeln.

Nicht
immergestaltete sich der Abfang von Fransenfledermäusen einfach. Bei
deser Scheune in Barzheim, wo die Tiere das Quartier durch eine
Spalte in der Bretterwand verlassen, musste Anja Illi die Tiere fünf
Meter über Boden aus dem Netz „pflücken". Foto Jörg Franke.
In Barzheim
konnten wir erst Anfang Juli eindeutig Fransenfledermäusen
nachweisen. Abfänge zeigten, dass auch hier ausschliesslich adulte
Weibchen mit ihren Jungtieren anwesend waren. Unsere Erwartung, dass
einige Fledermäuse der Binninger Kolonie nach Auflösung der
Wochenstube in Barzheim auftauchen würden, hat sich bisher nicht
bestätigt. Es scheint sich um zwei getrennte Kolonien zu handeln,
die interessanterweise teilweise dieselben Jagdgebiete nutzen.
Die Fledermäuse
nutzen bewachsene Bachläufe als Flugstrassen, um in ihre Jagdgebiete
zu gelangen, die bis zu 4 km von Binningen entfernt liegen. Die
Tiere haben individuelle Jagdgebiete, die sie während der drei bis
vier Nächte in denen ich sie jeweils verfolgt habe, nicht änderten.
Die Habitattypen, die die Fledermäuse aufsuchen, sind auch
individuell sehr verschieden. Bachgehölze und Obstgärten sind
bevorzugte Jagdhabitate, aber auch in Wäldern und über dem
Kulturland scheint das Nahrungsangebot zumindest zeitweise für die
Fledermäuse attraktiv zu sein.
Bis jetzt haben
wir einige neue Erkenntnisse über diese Fledermausart sammeln
können, aber es bleiben noch viele interessante Fragen offen. Der
Aufenthaltsort der Fledermäuse der Barzheimer Kolonie im Frühjahr
bleibt uns zumindest für diese Saison noch ein Rätsel. Auch haben
wir bei den vielen Abfängen, die wir an verschiedenen Orten
durchgeführt haben, kein einziges erwachsenes Männchen gefunden. Wo
sich die Männchen den ganzen Sommer über aufhalten, und wo und wann
sich die Tiere paaren ist uns noch nicht bekannt. Obwohl die Saison
sich langsam aber sicher dem Ende nähert, hoffen wir immer noch,
einige Hinweise auf die noch offenen Fragen zu bekommen.
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