Fransenfledermäuse in Barzheim, Binningen und Umgebung ...

... Von der einfachen Pilotstudie zur umfangreichen Diplomarbeit - ein Zwischenbericht


In den letzten beiden Ausgaben haben wir über unsere Studien der Barzheimer Fransenfledermäuse ausführlich berichtet. Den Anlass, dies nun wieder zu tun, gibt uns die Tatsache, dass wir im vergangenen Frühjahr nun das Glück hatten, mit Anja Illi aus Zürich eine engagierte Studentin zu finden, welche sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit dem Thema intensiver annahm, als wir es jemals hätten tun können. Doch lesen Sie im folgenden Bericht von Anja Illi gleich selbst und tauchen Sie ins spannende „Abenteuer Fransenfledermäuse" ein...


(ai) Das Hauptziel der Arbeit ist es, einen Einblick in die Jagdgebiete der Fransenfledermäuse zu erhalten. Das heisst, es ist eine Fortsetzung und Intensivierung der Untersuchungen die in den vorangegangenen Jahren in Barzheim durchgeführt wurden. Die Fragen die ich im Verlauf dieses Jahres beantworten wollte, sind unter anderem, welche Umgebung Fledermäuse für ihre Jagd bevorzugen, ob sie individuelle Jagdterritorien haben und ob die Tiere im Frühjahr ganz andere Gebiete nutzen als im Herbst.

Um etwas mehr über die Gewohnheiten der Fransenfledermäuse zu erfahren, werden die Tiere für die Dauer von ein bis zwei Wochen mit einem kleinen Sender ausgerüstet und in ihre Jagdgebiete verfolgt. In Barzheim, wo die Arbeit stattfinden sollte, hielten sich im Frühjahr jedoch nur sehr wenige Fransenfledermäuse auf. Der Versuch, sie auf ihrer Flugstrasse an einer Hecke des Dorfrandes abzufangen, ist leider gescheitert. Die nächste Fangaktion wurde in zwei von den Untersuchungen in den Vorjahren bekannten Jagdgebieten durchgeführt. Glücklicherweise liessen sich dort vier weibliche Fransenfledermäuse fangen, wovon zwei mit Sendern ausgerüstet wurden. Die Suche nach den beiden besenderten Tieren am folgenden Tag war dann voller Überraschungen: Die Tiere hielten sich tagsüber nicht wie zuerst erwartet oder erhofft in Barzheim auf. Erst nach längerer Suche erhielten wir schliesslich in Binningen ein Signal aus dem Empfänger. Es stellte sich heraus, dass sich beide Tiere in einem Loch der rund 1.5 Meter dicken Turmmauer der St. Blasius Kirche aufhielten.

Aufnahmen mit der Infrarot-Videokamera haben gezeigt, dass sich in diesem Quartier zeitweise fast 120 Alttiere aufhalten - ein beeindruckendes Ergebnis, zumal in der Region bisher nichts ähnliches bekannt ist! Daneben bieten die Mauern des Kirchturms den Tieren noch unzählige weitere Versteckmöglichkeiten, wovon einige auch deutliche Spuren von Fledermäusen aufweisen. Da Fransenfledermäuse dafür bekannt sind, dass sie ihr Quartier häufig wechseln und wir bisher jeweils nur vor einem Loch in der Mauer gefilmt haben, ist es durchaus auch möglich, dass die Anzahl Tiere der Kolonie noch höher liegt. Abfänge haben gezeigt, dass sich im Frühjahr nur erwachsene Weibchen in dem Quartier aufhalten. Ein sehr hoher Anteil der Tiere war zu der Zeit trächtig. Dass es sich bei der Kirche definitiv um eine Fransenfledermaus-Wochenstube handelt - der erste Nachweis im Landkreis Konstanz - stellten wir Mitte Juni fest, als wir unterhalb des Quartiers ein 1-2 Tage altes Junges fanden. Anfang Juli waren die ersten Jungtiere schon flügge, und die Kolonie löste Anfang August ihre Wochenstube auf. Die Tiere suchten in kleineren Gruppen neue Quartiere ausserhalb der Kirche auf, zum Teil in Gebäuden in Binningen, aber auch in Baumhöhlen im Wald am Hohenstoffeln.

Anja Illi beim Abfangen von Fransenfledermäusen

Nicht immergestaltete sich der Abfang von Fransenfledermäusen einfach. Bei deser Scheune in Barzheim, wo die Tiere das Quartier durch eine Spalte in der Bretterwand verlassen, musste Anja Illi die Tiere fünf Meter über Boden aus dem Netz „pflücken". Foto Jörg Franke.

In Barzheim konnten wir erst Anfang Juli eindeutig Fransenfledermäusen nachweisen. Abfänge zeigten, dass auch hier ausschliesslich adulte Weibchen mit ihren Jungtieren anwesend waren. Unsere Erwartung, dass einige Fledermäuse der Binninger Kolonie nach Auflösung der Wochenstube in Barzheim auftauchen würden, hat sich bisher nicht bestätigt. Es scheint sich um zwei getrennte Kolonien zu handeln, die interessanterweise teilweise dieselben Jagdgebiete nutzen.

Die Fledermäuse nutzen bewachsene Bachläufe als Flugstrassen, um in ihre Jagdgebiete zu gelangen, die bis zu 4 km von Binningen entfernt liegen. Die Tiere haben individuelle Jagdgebiete, die sie während der drei bis vier Nächte in denen ich sie jeweils verfolgt habe, nicht änderten. Die Habitattypen, die die Fledermäuse aufsuchen, sind auch individuell sehr verschieden. Bachgehölze und Obstgärten sind bevorzugte Jagdhabitate, aber auch in Wäldern und über dem Kulturland scheint das Nahrungsangebot zumindest zeitweise für die Fledermäuse attraktiv zu sein.

Bis jetzt haben wir einige neue Erkenntnisse über diese Fledermausart sammeln können, aber es bleiben noch viele interessante Fragen offen. Der Aufenthaltsort der Fledermäuse der Barzheimer Kolonie im Frühjahr bleibt uns zumindest für diese Saison noch ein Rätsel. Auch haben wir bei den vielen Abfängen, die wir an verschiedenen Orten durchgeführt haben, kein einziges erwachsenes Männchen gefunden. Wo sich die Männchen den ganzen Sommer über aufhalten, und wo und wann sich die Tiere paaren ist uns noch nicht bekannt. Obwohl die Saison sich langsam aber sicher dem Ende nähert, hoffen wir immer noch, einige Hinweise auf die noch offenen Fragen zu bekommen.


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