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(wf/hua)
"Fund einer Zwergfledermaus in Konstanz, nahe Gottlieber Zoll" steht
wenig enthusiastisch über unserer Aktennotiz, mit der wir solche
Vorgänge gewöhnlich dokumentieren. Eine kleine, flugunfähige
Fledermaus war am 3. Juli auf dem Boden gefunden worden und
schliesslich in unsere Obhut gelangt. Das Jungtier wurde gemeinsam
mit zwei ebenfalls unselbständigen "Artgenossen" in einem beheizten
Käfig untergebracht und gepflegt und bot zunächst keinerlei
Anlass zum Zweifel an der Korrektheit besagter Aktennotiz.
Offensichtlich war die junge Zwergfledermaus wie so viele andere in
diesem Jahr auch etwas vorzeitig aus dem Quartier geraten und leider
nicht mehr der Mutter zurückzuvermitteln gewesen. Dass das Tierchen
den Kontakt zu den beiden Käfiggenossen mied und "irgendwie einen
anderen Gesichtsausdruck" hatte, haben wir noch unter "individuelle
Besonderheiten" verbucht. Dass der Protest beim Anfassen zum Wiegen
und Füttern so gar nicht wie bei anderen Zwergfledermäusen klang,
war dagegen schon bemerkenswerter und als die kleine Fledermaus
schliesslich ein richtiges Fell bekommen hatte, das deutlich heller
schimmerte als dasjenige der vermeintlichen Artgenossen, erreichte
unsere Spannung ihren Höhepunkt. Inzwischen war auch der von der
Fledermaus wie auch von uns sehnlichst erwartete I1 (lies: Incisivus
eins im Oberkiefer - ein winziges Schneidezähnchen), endlich
ausgewachsen, dessen Form es festzustellen erlaubte, ob hier der
Vertreter einer Tierart etwas missmutig der nächsten
Mehlwurm-Mahlzeit entgegenblickte, die sehr wahrscheinlich noch nie
zuvor auf deutschem Boden nachgewiesen wurde. In der Tat ist die
Form des kleinen Schneidezähnchens das einzige verlässliche
Unterscheidungsmerkmal zwischen Weissrand- Fund Zwergfledermaus.

Bald auch in
Deutschland ein alltägliches Bild? Bei ihrer Ausbreitung nach Norden
scheinen die Weissrandfledermäuse jedenfalls vor der deutschen
Grenze nicht Halt zu machen. Foto: Hans-Peter Stutz
Die Diagnose
unter der Lupe schliesslich bestätigte die Vermutung: die Zahl der
in Baden-Württemberg nachgewiesenen Fledermausarten erhöht sich mit
dem Erstnachweis der Weissrandfledermaus von 20 auf 21. Neben diesem
eher formellen Aspekt bleibt es spannend, ob hier nur ein Jungtier
aus einer nahen schweizer Wochenstube im deutschen Luftraum
"verloren" wurde, oder ob vielleicht bereits regelmässig belegte
Kolonien auf deutscher Seite bestehen. Der Fund einer weiteren
Weissrandfledermaus mitten in Konstanz Anfang September - diesmal
handelte es sich um ein balzendes Männchen - lässt uns jedenfalls
spannende Zeiten erwarten...
Eines kann
allen vermeintlichen Zwergfledermaus-Findlingen auf jeden Fall schon
angekündigt werden: ab jetzt heisst es auch in Deutschland in jedem
Falle "Maul auf zur Artbestimmung".
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