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... Erster Nachweis der Weissrandfledermaus auf deutschem Boden in Konstanz

Bis in die 80er Jahre zählte die Weissrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii) zu den Fledermausarten, die nur in den tiefer gelegenen Gebieten der Alpensüdseite verbreitet war. Mittlerweile hat sich dieses Bild jedoch entscheidend verändert: zu Beginn der 90er Jahre tauchten die ersten Exemplare dieser Art in den Städten des Schweizer Mittellandes auf, wo auch bald ihre Fortpflanzung nachgewiesen werden konnte, 1994 gelang in Schaffhausen der erste Nachweis und vor einem Jahr dokumentierte unser Kollege Wolf-Dieter Burkhard in Tägerwilen, nur einen Katzensprung von der deutschen Grenze entfernt, die erste Wochenstube im Kanton Thurgau. - Obwohl nicht anzunehmen war, dass sich die Tierchen bei ihrer Ausbreitung nach Norden von irgendwelchen Staatsgrenzen beeindrucken lassen, wollte es noch rund ein Jahr dauern, bis der Erstnachweis auf deutschem Boden, der eher als „schwere Geburt" umschrieben werden kann, erfolgen konnte.


(
wf/hua) "Fund einer Zwergfledermaus in Konstanz, nahe Gottlieber Zoll" steht wenig enthusiastisch über unserer Aktennotiz, mit der wir solche Vorgänge gewöhnlich dokumentieren. Eine kleine, flugunfähige Fledermaus war am 3. Juli auf dem Boden gefunden worden und schliesslich in unsere Obhut gelangt. Das Jungtier wurde gemeinsam mit zwei ebenfalls unselbständigen "Artgenossen" in einem beheizten Käfig untergebracht und gepflegt und bot zunächst keinerlei Anlass zum Zweifel an der Korrektheit besagter Aktennotiz. Offensichtlich war die junge Zwergfledermaus wie so viele andere in diesem Jahr auch etwas vorzeitig aus dem Quartier geraten und leider nicht mehr der Mutter zurückzuvermitteln gewesen. Dass das Tierchen den Kontakt zu den beiden Käfiggenossen mied und "irgendwie einen anderen Gesichtsausdruck" hatte, haben wir noch unter "individuelle Besonderheiten" verbucht. Dass der Protest beim Anfassen zum Wiegen und Füttern so gar nicht wie bei anderen Zwergfledermäusen klang, war dagegen schon bemerkenswerter und als die kleine Fledermaus schliesslich ein richtiges Fell bekommen hatte, das deutlich heller schimmerte als dasjenige der vermeintlichen Artgenossen, erreichte unsere Spannung ihren Höhepunkt. Inzwischen war auch der von der Fledermaus wie auch von uns sehnlichst erwartete I1 (lies: Incisivus eins im Oberkiefer - ein winziges Schneidezähnchen), endlich ausgewachsen, dessen Form es festzustellen erlaubte, ob hier der Vertreter einer Tierart etwas missmutig der nächsten Mehlwurm-Mahlzeit entgegenblickte, die sehr wahrscheinlich noch nie zuvor auf deutschem Boden nachgewiesen wurde. In der Tat ist die Form des kleinen Schneidezähnchens das einzige verlässliche Unterscheidungsmerkmal zwischen Weissrand- Fund Zwergfledermaus. 

Weissrandfledermaus

Bald auch in Deutschland ein alltägliches Bild? Bei ihrer Ausbreitung nach Norden scheinen die Weissrandfledermäuse jedenfalls vor der deutschen Grenze nicht Halt zu machen. Foto: Hans-Peter Stutz

Die Diagnose unter der Lupe schliesslich bestätigte die Vermutung: die Zahl der in Baden-Württemberg nachgewiesenen Fledermausarten erhöht sich mit dem Erstnachweis der Weissrandfledermaus von 20 auf 21. Neben diesem eher formellen Aspekt bleibt es spannend, ob hier nur ein Jungtier aus einer nahen schweizer Wochenstube im deutschen Luftraum "verloren" wurde, oder ob vielleicht bereits regelmässig belegte Kolonien auf deutscher Seite bestehen. Der Fund einer weiteren Weissrandfledermaus mitten in Konstanz Anfang September - diesmal handelte es sich um ein balzendes Männchen - lässt uns jedenfalls spannende Zeiten erwarten...

Eines kann allen vermeintlichen Zwergfledermaus-Findlingen auf jeden Fall schon angekündigt werden: ab jetzt heisst es auch in Deutschland in jedem Falle "Maul auf zur Artbestimmung".

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