Vom Aussterben bedroht ...

... Bemerkungen zur Rechtschreibreform von Michael Klinger

 

Eine gewichtige Meldung durchrauscht derzeit den Blätterwald aller Zeitungen. Die einen nennen es lapidar Rechtschreibreform, aber der gelernte Naturschützer würde es wohl eher als Artensterben bezeichnen: Jawohl, seit 1.8.99 ist das "ß" auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten zu finden. Eine immer stärkere Verbreitung des nah verwandten und zur selben Familie der Zischlaute gehörenden "ss" verdrängt das "ß" aus seinem angestammten Habitat. Nachdem es sich in den rauhen Klimaten des Schweizer Gebirges schon seit Jahren nicht mehr halten kann, verliert es nun auch im deutschen Flachland die letzten Rückzugsräume.

Das "ß" ist jedoch nicht allein. Gleichzeitig mit ihm verabschiedet sich ein ganze Gattung von Kuriositäten vom "Ph" im Photo bis hin zum "h" im Joghurt.

Wer unser Mitteilungsblatt genau ließt, hat schon lange bemerkt, dass sich bei uns dank rauher Schweizer Einflüsse das "ß" schon lange verabschiedet hat. Sogar auf der Tastatur, in die ich diese Zeilen einhacke gibt es dieses Zeichen schon offiziell und ohne Tricks nicht mehr. Auch wir wollen uns bemühen, bei der Rechtschreibung möglichst fortschrittlich zu sein. Aber als Fledermausschützer schlägt doch manchmal noch ein Herz für Seltenes in meiner Brust: Auf daß das "ß" überlebe!

 

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