KiKa-Splitter ...

... besondere Erlebnisse beim Kartieren von Wolfgang Fiedler



Was wären Grossaktionen wie der Besuch von 118 Kirchen (eben die Kirchen-Kartierung) ohne die liebenswerten kleinen Erlebnisse, die uns daran erinnern, dass wir hier eigentlich einem Hobby und keinem Leistungssport nachgehen. Hier eine kleine Auswahl:

Da hatte jemand aus einer Kirchengemeinde auf dem Bodanrück gehört, dass es nur Scherereien macht, wenn diese Fledermausleute ein Quartier der Tierchen in der Kirche finden und den Dachboden der Kirche sehr akkurat gereinigt, auf dass auch wirklich keine Kotspuren der versteckt vorhandenen Fledermäuse zu finden seien. Nun sind einige von uns aber so gross, dass sie auf Balkenoberseiten blicken können, die dem gestrengen Blick des Mesners völlig entgangen waren. Also ein netter, wenn auch erfolgloser Versuch, uns an der Nase herumzuführen. Und im Vertrauen: hölzerne Orgelpfeifen, vor allem die langen, die die ganz tiefen Töne produzieren, und hier vor allem deren oberer Rand, sprechen für den aufmerksamen Beobachter (fast) immer die Wahrheit...

Grundehrlich war auch eine Mesnerin aus dem südlichen Hegau: "Sie könnet scho uffi, aber findet se jo nüt!". Wir kletterten uffi und fanden eine besonders schöne Wochenstube von Langohrfledermäusen. Diffuse Ängste konnten wir aber zerstreuen: die seinerzeit anstehende Sanierung im unteren Teil der Kirche berührte keinerlei Belange des Fledermausschutzes. Sie wurde inzwischen erfolgreich abgeschlossen.

Es war hinter Stockach, als wir uns gerade von einer freundlichen Pfarrhelferin nach erfolgreicher Kirchenbegehung verabschiedeten, als sich plötzlich der Lichtschein durch die geöffneten Kirchenpforten verdunkelte und mit grossem Getöse ein Mähdrescher auf den Kirchplatz rollte. Von den Höhen des Ungetüms kletterte der Fahrer zu uns herunter und erkundigte sich, ob wir die Leute mit den Fledermäusen seien. Als wir bejahten, berichtete er zu unserer Freude von 2 weiteren Gebäuden im Dorf, in denen auch Fledermäuse vorkommen und wo wir doch unbedingt vorbeischauen sollten. Wer hatte uns nur "verraten"?

An anderer Stelle war über unsere genauen Machenschaften offenbar trotz ordnungsgemässer Anmeldung nicht allzu viel zur Mesnerin vorgedrungen. Sie gewährte uns nach einigen Zusatzinfos unsererseits zwar bereitwillig den Zugang zur Kirche, fingerte aber unsicher nach ihrer Geldbörse und fragte, ob und wie viel unsere Begutachtung denn kosten würde. Eine derartige Idee war uns zuvor nicht einmal im Spass gekommen.

In vielen Gegenden ist es heute so, dass ein Pfarrer für mehrere Gemeinden zuständig ist. So kam es, dass ein freundlicher älterer Pfarrer gleich für 4 Kirchen hintereinander unser Ansprechpartner war und mit uns von Dorf zu Dorf fuhr. Während wir uns noch erkundigten, wie er diese beachtliche Belastung beispielsweise bei sonntäglichen Gottesdiensten und an Festtagen bewältigt (und dies in einem Alter, das etwas höher gewesen sein dürfte als dasjenige von uns drei Besuchern zusammen), gab er uns schon einen wesentlichen Teil der Antwort, indem er eine kleine steile Leiter hinaufwieselte und in einer kleinen Luke im Gewölbe des Kirchenschiffes verschwand, bevor wir überhaupt unsere Stirnlampen aufgesetzt hatten.

 

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