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(hua)
Zugegeben, das ultimative Kirchen-Erlebnis ist für einen
eingefleischten Fledermausschützer nicht hauptsächlich ein
interessanter Gottesdienst, vielmehr richtet sich das Interesse auf
das, was allen übrigen Kirchgängern meist verborgen bleibt: die
Türme und Dachböden der Gotteshäuser. Es sind Bereiche, zu denen
ausser vielleicht ab und zu der Messmer kaum je ein Mensch
vordringt. Die relative Ungestörtheit und das warme Klima, das an
solchen Plätzen herrscht, sind die ideale Voraussetzung für
Fledermäuse, um hier ihr Sommerquartier aufzuschlagen.
Faszinierend
sind aber nicht nur die oft geheimnisvollen Wege über steile
Treppen, riesige Glockenstühle und meterhohe Leitern, die zu den
Stellen führen, an denen sich Fledermäuse aufhalten, vielmehr
erweist sich auch die eigentliche Suche nach Spuren der Nachtjäger
als ein spannendes Detektiv-Spiel: Böden, Balkenkehlen und
Verkleidungen müssen minutiös nach deren Spuren abgesucht werden.
Neben diesem
abenteuerlichen Element hat die Kartierung von Fledermausvorkommen
in Kirchen aber ein durchaus ernsthaftes Ziel: Das erlangte Wissen
wird nämlich spätestens dann wichtig, wenn Sanierungen anstehen, die
einen Eingriff in die Struktur eines Fledermausquartiers
erforderlich machen. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse sind wir -
nach eventuellen ergänzenden Abklärungen - dann in der Lage,
Kirchgemeinden und Architekten gezielt Masnahmen zur Erhaltung der
geschützten Fledermausvorkommen aufzuzeigen, ohne mit rigiden
Auflagen auffahren zu müssen (mehr zu unseren Erfahrungen bei
Gebäudesanierungen entnehmen Sie der nächsten Ausgabe).
Dass Kirchen
für Fledermäuse wichtige Rückzugsgebiete sind, die eines besonderen
Schutzes bedürfen, zeigt schliesslich allein schon die Tatsache,
dass in unserer Region bis zu 60 Prozent der kirchlichen Gebäude
durch die nachtaktiven Insektenfresser besiedelt sind, wobei jedes
dritte als Quartier von besonderer Bedeutung einzustufen ist.
Darunter sind mehrere grosse Wochenstuben des stark bedrohten
Grossen Mausohrs (Myotis myotis), sowie weitere, zum Teil
versteckt lebende Arten, über deren konkrete Gefährdung bis heute
wenig bekannt ist.
Vergleicht man Aufwand und Ertrag, so gehören Kirchenkartierungen im
Moment sicherlich zu einem der effektivsten Mittel zur Schaffung
eines wirksamen Quartierschutzes.
Unverkennbare
Zeichen dafür, dass das auf diesem Kirchendachboden wohl ein
Männchen des Grossen Mausohrs hausen muss: Eine braun markierte
Balkenkehle, darunter eine Kot-Ansammlung. Foto: Franke/Ott
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