Fledermäuse und Kirchen ...

... wenn Fledermausschützer zu regelmäßigen Kirchgängern werden

Bereits Anfang der 80er-Jahre hatten es Kirchen jungen Fledermausschützern angetan. Im Rahmen ihres Fledermaus-Inventars suchten Andreas Müller und Michael Widmer im Kanton Schaffhausen zwischen 1981 und 1983 systematisch Kirchendachböden nach Fledermausvorkommen ab. Diese für den Fledermausschutz äusserst wichtige Arbeit fand in den vergangenen vier Jahren im Landkreis Konstanz ihre Fortsetzung, wo es kaum noch eine Kirche gibt, die wir mittlerweile nicht auch von innen bis unters Dach kennen.

(hua) Zugegeben, das ultimative Kirchen-Erlebnis ist für einen eingefleischten Fledermausschützer nicht hauptsächlich ein interessanter Gottesdienst, vielmehr richtet sich das Interesse auf das, was allen übrigen Kirchgängern meist verborgen bleibt: die Türme und Dachböden der Gotteshäuser. Es sind Bereiche, zu denen ausser vielleicht ab und zu der Messmer kaum je ein Mensch vordringt. Die relative Ungestörtheit und das warme Klima, das an solchen Plätzen herrscht, sind die ideale Voraussetzung für Fledermäuse, um hier ihr Sommerquartier aufzuschlagen.

Faszinierend sind aber nicht nur die oft geheimnisvollen Wege über steile Treppen, riesige Glockenstühle und meterhohe Leitern, die zu den Stellen führen, an denen sich Fledermäuse aufhalten, vielmehr erweist sich auch die eigentliche Suche nach Spuren der Nachtjäger als ein spannendes Detektiv-Spiel: Böden, Balkenkehlen und Verkleidungen müssen minutiös nach deren Spuren abgesucht werden.

Neben diesem abenteuerlichen Element hat die Kartierung von Fledermausvorkommen in Kirchen aber ein durchaus ernsthaftes Ziel: Das erlangte Wissen wird nämlich spätestens dann wichtig, wenn Sanierungen anstehen, die einen Eingriff in die Struktur eines Fledermausquartiers erforderlich machen. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse sind wir - nach eventuellen ergänzenden Abklärungen - dann in der Lage, Kirchgemeinden und Architekten gezielt Masnahmen zur Erhaltung der geschützten Fledermausvorkommen aufzuzeigen, ohne mit rigiden Auflagen auffahren zu müssen (mehr zu unseren Erfahrungen bei Gebäudesanierungen entnehmen Sie der nächsten Ausgabe).

Dass Kirchen für Fledermäuse wichtige Rückzugsgebiete sind, die eines besonderen Schutzes bedürfen, zeigt schliesslich allein schon die Tatsache, dass in unserer Region bis zu 60 Prozent der kirchlichen Gebäude durch die nachtaktiven Insektenfresser besiedelt sind, wobei jedes dritte als Quartier von besonderer Bedeutung einzustufen ist. Darunter sind mehrere grosse Wochenstuben des stark bedrohten Grossen Mausohrs (Myotis myotis), sowie weitere, zum Teil versteckt lebende Arten, über deren konkrete Gefährdung bis heute wenig bekannt ist. Vergleicht man Aufwand und Ertrag, so gehören Kirchenkartierungen im Moment sicherlich zu einem der effektivsten Mittel zur Schaffung eines wirksamen Quartierschutzes.

Fledermauskot auf Dachböden

 

Unverkennbare Zeichen dafür, dass das auf diesem Kirchendachboden wohl ein Männchen des Grossen Mausohrs hausen muss: Eine braun markierte Balkenkehle, darunter eine Kot-Ansammlung. Foto: Franke/Ott

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