Fledermauskartierung in den Kirchen des Landkreis Konstanz ...... eine Bilanz vierjähriger Kartierungsarbeit am westlichen Bodensee |
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Das Problem... (wf) Anstehende Renovationsvorhaben bei kirchlichen Gebäuden, die zugleich Fledermausquartiere darstellen, sind häufige Konfliktquellen im Fledermausschutz am westlichen Bodensee. Das deutsche Naturschutzrecht stellt Fledermausquartiere unter strengen Schutz und zwar auch dann, wenn sich die Kolonien in Gebäuden befinden, die in privatem, öffentlichem oder kirchlichem Besitz sind. Bei Renovationsarbeiten in Dachstühlen oder anderen Gebäudeteilen, die von Fledermäusen bewohnt werden, bedeutet das zunächst einmal, dass eine naturschutzrechtliche Befreiung von der zuständigen Behörde erteilt werden muss. In dieser Genehmigung stehen dann unter Umständen auch Einschränkungen oder Änderungsvorgaben für die geplanten Renovationen festgeschrieben, die natürlich nicht jedem Bauherrn schmecken. In der Praxis lassen sich aber eigentlich immer gute Kompromisse finden, die die verschiedenen Interessen unter einen Hut bringen. Wir arbeiten in unserer Region auch in diesen Fällen sehr gut mit den zuständigen Naturschutzbehörden zusammen, und eigentlich sollte dadurch sichergestellt sein, dass aus Unwissenheit oder Rücksichtslosigkeit nicht unsere letzten bedeutenden Fledermausquartiere in Gebäuden zerstört werden. In der Praxis freilich hatten wir ausgerechnet mit dem Besitzer, der vermutlich über die meisten bedeutenden Fledermausvorkommen in Gebäuden unserer Gegend verfügt, einen Fehlstart: der katholischen Kirche. Auf die unzähligen Hinweise der Oberen Naturschutzbehörde an die Verantwortlichen beim Erzbischöflichen Bauamt in Konstanz, auf die ebenso häufigen Beteuerungen, künftig Renovationen an Kirchen so frühzeitig bekannt geben zu wollen, dass ausreichend Zeit bleibt, um nach Lösungen für die dort möglicherweise vorkommenden Fledermäuse suchen zu können und auf die dann plötzlich ebenso häufig von uns entdeckten Baugerüste an Kirchen, die überhaupt nie zu Debatte standen, wollen wir hier nicht weiter eingehen. Klar war:
Kirchenrenovationen sind heutzutage schwierig genug zu finanzieren
und durchzuführen, und es bestand absolut kein Interesse daran,
jetzt auch noch auf Fledermausvorkommen Rücksicht nehmen zu wollen.
Auch wenn die rechtliche Seite eigentlich zu unseren Gunsten völlig
klar war, so fühlten wir uns in der Rolle derer, die eigentlich
immer zu spät kommen und sich dann mit dem Versuch, noch zu retten,
was zu retten ist, bei den Bauträgern nicht besonders beliebt
machten, überhaupt nicht wohl. Was fehlte, war eine Liste, die es
allen Beteiligten ermöglicht, mit einem Blick festzustellen, ob in
einer Kirche Fledermäuse vorkommen oder nicht, und wenn ja, wo die
Brennpunkte liegen. Damit könnten Architekten, Kirchengemeinderäte,
Juristen und Fledermausschützer schon in sehr frühem Stadium
zusammenkommen und Detaillösungen für die verschiedenen Interessen
finden.
Abbildung 1: Kirchen im Landkreis Konstanz (n = 118) und ihre Bedeutung für Fledermäuse. Grosse weisse Kreise mit Kreuz: Quartiere von besonderer Bedeutung; grosse schwarze Kreise: Quartier von mittlerer Bedeutung; kleine schwarze Kreise: Quartiere von geringerer Bedeutung; kleine weisse Kreise: Kirchen ohne Hinweise auf Fledermausvorkommen. |
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Die Kartierungsarbeit... Das Regierungspräsidium stellte einen finanziellen Zuschuss zur Verfügung und wir brachten unsere Freizeit und schon vorhandene Kenntnisse aus unserer Fledermausdatenbank mit ein und können nun, nach Ablauf der Kartierungsjahre 1996, 1998 und 1999, eine Liste vorlegen, in der für 118 Kirchen und kirchenähnliche Gebäude des Landkreises Konstanz vermerkt ist, ob und welche Fledermausvorkommen es dort gibt. Für jedes Gebäude gibt es darüber hinaus ein Datenblatt, auf dem wichtige Informationen zur Kirche, zu den Hangplätzen der Tiere im Gebäude, möglichen Einfluglöchern usw. zusammengestellt sind. Es ist klar, dass solche Daten nur vor Ort erhoben werden können, und daher stand vor der Erstellung des akkuraten Schlussberichtes, natürlich viel Herumfahrerei, Herumgekrieche auf staubigen Dachböden und Kletterei in schwindelerregenden Kirchtürmen. Wir haben uns Tagestouren mit je 8-10 Kirchen zusammengestellt und die jeweiligen Kirchengemeinden um Zutritt zu bestimmten, festgelegten Terminen gebeten. Diese Verfahrensweise hat sich bewährt und wir haben uns gefreut, dass wir bis auf ganz wenige Ausnahmen überall zur vereinbarten Zeit freundlich empfangen wurden und uns der Zutritt zu allen wichtigen Räumlichkeiten von den Pfarrern oder Mesnern gewährt wurde. Pro Kirche benötigten wir zu zweit oder dritt etwa eine Stunde, um vor allem die Dach- und Turmbereiche nach Fledermäusen oder deren Spuren abzusuchen. Alle Kirchengemeinden, in deren Gebäuden sich Hinweise auf Fledermausvorkommen ergaben, wurden anschliessend über ihre Untermieter und über Fledermausschutz informiert. Natürlich haben wir versucht, auch schon gleich bei den Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort darauf hinzuweisen, wie spannend, nützlich und schutzbedürftig die kleinen Kirchgäste sind. Natürlich können diese einmaligen Besuche nicht ausschliessen, dass wir besonders versteckt lebende Arten vielleicht übersehen oder die gefundenen Spuren falsch gedeutet haben. Wir hoffen aber darauf, dass wir inzwischen doch über so viel Erfahrung verfügen, dass dies nur ganz selten einmal passiert ist. Abbildung 2: Bedeutung von Kirchen und kirchen- ähnlichen Gebäuden als Fledermaus- quartiere im Landkreis Konstanz (n= 118 Gebäude). Grafik vergrößert anzeigen |
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In 60% der 118 untersuchten Kirchen konnten wir Hinweise darauf finden, dass dort mindestens ein Fledermausquartier besteht, in einigen Kirchen waren es sogar mehrere. Dies bestätigt die eingangs gemachte Feststellung, dass die Kirchen in unserer Region für den Fledermausschutz von besonderer Bedeutung sind (siehe auch Abbildung 2). Wie angesichts der Religionsgeschichte unserer Gegend nicht anders zu erwarten, gehören die älteren Gebäude nahezu ausnahmslos zur katholischen Kirche, während die protestantischen Kirchengebäude oftmals relativ moderne Bauten sind, die nicht unbedingt geeignete Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse haben. Biologisch zwar unrelevant, aber für uns, die wir es mit verschiedenen Ansprechpartnern zu tun haben, durchaus von Bedeutung, ist folgende Aufstellung: von den 118 Kirchen und kirchenähnlichen Gebäuden zählen 103 zur katholischen Kirche, 12 zur evangelischen Kirche und 3 sind im Eigentum von Kommunen. Von den 15 nicht-katholischen Gebäuden erreichte nur eines den Status eines Fledermausquartieres und zwar mit der Klassifizierung "gering bedeutend". In 19% aller Kirchen fanden wir Fledermausvorkommen, die für das regionale oder sogar überregionale Vorkommen der jeweiligen Art von grosser Bedeutung sind. Dies sind vor allem Wochenstuben von Langohren und Mausohren. Fast alle Wochenstuben des Grossen Mausohrs in unserer Gegend befinden sich in Kirchen. In jeder dritten untersuchten Kirche fanden wir ein Fledermausvorkommen, dessen Bedeutung wir als mittelmässig eingestuft haben. Dies sind in aller Regel Männchen-quartiere, deren Verlust im Einzelfalle vielleicht nicht unmittelbar zum Rückgang des lokalen Fledermausbestandes führen mag, die aber natürlich für das stabile Überleben einer Population durchaus bedeutend sind. Weitere 11% aller Kirchen haben immerhin noch eine gewisse Funktion für die Fledermäuse, die wir aber insgesamt als gering eingestuft haben. Dies können beispielsweise Übergangsquartiere sein, in denen Einzeltiere für bestimmte Zeiten im Jahreslauf vorübergehend ansässig sind oder Nachtquartiere, die während Jagdpausen aufgesucht werden. Auch sie tragen die Bedeutung und den rechtlichen Schutz eines Fledermausquartieres, werden bei Abwägungen verschiedener Interessen aber natürlich etwas andersgewichtet, als beispielsweise eine Fledermaus-Wochenstube. 40% aller untersuchten Kirchen wiesen keine Spuren von Fledermausbelegung auf und sind daher auch nicht als Fledermausquartiere einzustufen. Interessanterweise lassen sich 3 Gruppen solcher Objekte ausmachen:
Von den 71 fledermausgenutzten kirchlichen Gebäuden (einige mehrfach genutzt) entfielen 40 Vorkommen auf Männchenquartiere des Grossen Mausohrs, 18 auf Quartiere von Langohren ohne genauere Funktionszuordnung, 16 auf Wochenstuben von Langohren und 6 auf Wochenstuben des Grossen Mausohrs. 3 Gebäude wurden von Grossen Abendseglern genutzt und je eines von Wasser-, Fransen- und Breitflügelfledermäusen (siehe auch Abbildung 3, Seite 3). Die bisher zusammengetragenen Detailergebnisse liegen sowohl der Oberen Natur-schutzbehörde als auch dem Erzbischöflichen Bauamt vor. Bei insgesamt 5 neu anstehenden Renovationsprojekten, darunter an einer erst im Rahmen dieser Kartierung entdeckten Wochenstube des Grossen Mausohrs, hat sich zu Jahresbeginn 1999 die rasche Verfügbarkeit der Informationen bei allen Planungsbeteiligten bereits gut bewährt. Darüber hinaus trug die "Kirchenkartierung" schon jetzt dazu bei, das Bewusstsein für die Bedeutung kirchlicher Gebäude im Fledermausschutz bei den Pfarrern und Mesnern und bei den kirchlichen Planungsstellen zu verbessern. Unser herzlicher Dank geht ausser an die besuchten Kirchengemeinden, die uns Zugang zu ihren Gebäuden gewährten, insbesondere auch an die Zuständigen in der Oberen Naturschutzbehörde beim RP Freiburg für die Vergabe des Werkvertrages, der die Durchführung der Kartierung ermöglichte und für das beispielhafte Engagement auch im Konfliktbereich Kirchen und Fledermausschutz. Abbildung 3: Art
der Nutzung von Kirchen und kirchenähnlichen Gebäuden im Landkreis
Konstanz durch Fledermäuse (n= 71 Gebäude). |
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