Getroffene Auflagen bei Sanierungen ...


Der nachfolgende Katalog wurde von uns zusammen mit dem Regierungspräsidium Freiburg vor allem für die Sanierung grosser Wochenstuben der grossen Mausohren entwickelt. Für andere Arten und Quartiertypen sind diese Angaben bedingt verwend- oder übertragbar. Diese Aufzählung bietet natürlich nur eine gemeinsame Basis und muss für jede Sanierung neu um die Besonderheiten des entsprechenden Bauwerks ergänzt und angepasst werden. Wichtig sind Treffen und konkrete Absprachen mit dem Bauherr und den ausführenden Handwerkern vor Ort. Nur so können Kompromisse erzielt werden, die bautechnisch ausführbar sind und auch eingehalten werden können. Der Kontakt vor Ort ist allemal erfolgreicher als die "Keule des Gesetzes". Dennoch hilft die schriftliche Fixierung aller in Frage kommenden Auflagen als späterer Leitfaden. 

Bauzeitbeschränkung: In der Regel werden bei Sanierungen an Wochenstuben Arbeiten am Quartier selbst erst ab Anfang Oktober zugelassen und müssen bis Ende März des nächsten Jahres abgeschlossen sein. Meist handelt es sich um Dachneudeckungen, oft verbunden mit Austausch des Gebälks und der Lattung. Arbeiten am Rest des Gebäudes, sofern nicht mit erheblichem Krach und Vibrationen verbunden (z.B. Arbeiten mit Presslufthammern), sind vor Oktober möglich, gleichfalls die Einrüstung des Gebäudes, sofern es den Ausflug nicht beeinträchtigt. Wichtig ist die Fertigstellung vor Einzug der Tiere im Frühjahr, da zu dieser Zeit eine starke Störung viel eher zur Quartierverwaisung führen kann, als die Vertreibung einiger später Tiere im Herbst. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Bauleitung und Fledermausschützern ermöglicht bei schnellem Abzug der Tiere im Herbst auch einen früheren Beginn der Arbeiten. 

Sicherung der Ein- und Ausflüge: Fledermäuse nehmen manchmal ungewöhnliche Wege um ihr Quartier zu verlassen und sind in diesem Verhalten auch sehr konservativ. Deshalb bleibt vor einer Sanierung immer unklar, ob Sie neue angebotene und bautechnisch besser zu realisierende Öffnungen anstatt z.B. zer- brochener Ziegel annehmen würden. Aus diesem Grund wird die Erhaltung der vorhandenen Ausflüge stets festgeschrieben. Sind diese nicht bekannt, kann die Sanierung nicht erfolgen, bevor Fledermausschützer die Ausflüge durch nächtliche Beobachtungen mit Hilfe von Infrarot-Videoanlagen festgestellt haben. 

Mikroklima, Belüftung: Eine Änderung der Belüftung oder Belichtung des von Fledermäusen bewohnten Dachstuhls ist ebenfalls problematisch. Oft besteht der Wunsch, bei einer Dachsanierung zusätzliche Lüftungsziegel einzubauen. Meist sollen diese in zwei unterschiedlichen Höhenlagen, eine sehr nahe über dem Boden des Daches und eine knapp unter dem First, angebracht werden. Die Entlüftung funktioniert dann von unten nach oben wie in einem Kamin und würde die Temperaturabstufung innerhalb des Dachstuhls von sehr warmen Bereichen unter dem First zu kühleren über dem Boden stören und somit das Quartier unattraktiver machen. - Ebenfalls problematisch sind sogenannte Unterspannbahnen, die als Schutz vor allem vor Flugschnee und aufsteigendem Wasser, das vom Wind unter den Ziegeln durchgedrückt wird, unter der Dachlattung eingebaut werden kann. Die früher hier besonders auch in Dachkehlen verwendete Teerpappe ist wegen möglicher Ausdünstungen gänzlich abzulehnen. In Diskussion sind aber auch bei Architekten nicht unumstrittene Unterspannbahnen aus Plastik. Diese sollen ähnlich wie Goretex dampfdiffussionsoffen sein, das heisst Feuchtigkeit von Innen nach Aussen passieren lassen, nicht aber in umgekehrte Richtung. Da die Meinungen hierüber geteilt sind und oft ein "Ersticken" des Dachstuhls und damit verbunden negative Wirkungen auf das Gebälk befürchtet werden, wurden diese bislang stets untersagt. 

Baubiologie, Chemikalien: Da zwischenzeitlich in Deutschland nur noch fledermausverträgliche Holzschutzmittel zugelassen sind, nimmt dieses Thema an Bedeutung ab, wird aber gleichwohl festgesetzt. Ebenfalls in diesen Bereich gehört, dass wir darauf drängen, wegen der möglichen Belastungen keine Spanplatten sondern einen festen Dielenboden einzubauen. Spezielle Probleme ergeben sich, wenn Fledermäuse entweder das ganze Jahr über oder, wie dies Mausohren oft tun, an sehr heissen Tagen ihren Hangplatz auf Mauern verlegen, um sich zu kühlen. Im Einzelfall wird stellenweise auch ein neuer Verputz oder Anstrich untersagt, um Haltmöglichkeiten und Duftmarken nicht zu beeinträchtigen. 

Isolierung: Isolierungswünsche werden bei sehr grossen Dachstühlen wie bei Kirchen kaum geäussert, da die Flächen viel zu gross sind und das Projekt damit unrentabel würde. Bei Kolonien in kleineren Häusern ist klar, dass eine Isolierung des Daches das Quartier zerstören würde, weil dann die Wärme im Sommer und die Hangplätze verloren gingen. Aus diesem Grund wäre nur eine begehbare Dämmschicht auf dem Fussboden des Daches möglich, die zweifelsohne mit Mehrkosten verbunden ist. 

Verstecke: Schwieriger als bei frei hängenden Fledermausarten wie dem grossen Mausohr, ist der Schutz versteckt lebender Tiere wie der Langohren. Nicht nur, dass man sie aufgrund Ihrer versteckten Lebensweise und viel kleineren Gruppen öfter "übersieht", es ist auch viel schwerer, Ihre Verstecke und Hangplätze zu erhalten. Wenn möglich, versuchen wir das Gebälk, Balkenkehlen, oder Spalten aller Art so zu erhalten oder wieder herzustellen, wie diese waren. 

Vergitterungen gegen Tauben: Je städtischer das Umfeld, desto eher kommt der Wunsch auf, mögliche Einflugöffnungen z. B. an Schallläden auch an bislang nicht von Fledermäusen besetzen Kirchen zu vergittern. Hier drängen wir auf eine Maschenweite von 5 x 5 cm, die den Tauben kein Durchkommen ermöglicht, wohl aber den Fledermäusen. 

Beleuchtung: Der Wunsch nach einer Beleuchtung tritt meist bei exponierten Kirchen und historischen Gebäuden auf. Nach Ergebnissen aus der Schweiz empfehlen wir den Verzicht solcher Massnahmen. Möglich, aber vermutlich weniger praktikabel und befriedigend wäre auch eine Beschränkung auf die Monate Oktober bis März. Bei Gebäuden, die trotz langjähriger Beleuchtung fledermausbewohnt sind ist die Abschaltung jedoch nicht notwendig.

 

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