Gemeinsam unter einem Dach ...

... weshalb uns Fledermäuse manchmal näher sind als uns lieb ist 

Der Gedanke, auf dem Dachboden, im Rolladenkasten oder in der Wandverschalung des eigenen Hauses oder der eigenen Wohnung ein Fledermausquartier zu haben, ist vielen auch heute noch nicht sehr behaglich. Dies zeigen die zahlreichen Anrufe beunruhigter Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die uns Jahr für Jahr erreichen. Nichts desto trotz: die Fledermäuse haben es in den vergangenen Jahrhunderten erfolgreich geschafft, sich im menschlichen Siedlungsraum auszubreiten.

(hua) Mausohren, Langohren, Zwergfledermäuse, Weissrandfledermäuse, Breitflügelfledermäuse - rund die Hälfte aller einheimischen Fledermausarten ist bei der Wahl ihres Sommerquartiers in irgend einer Art und Weise an den menschlichen Siedlungsraum gebunden. Entweder bewohnen sie die Dachböden oder sie nutzen Spalten in Zwischendächern, Wandverschalungen oder Mauerspalten von Gebäuden. Und längst nicht immer ist ihre Anwesenheit so offensichtlich erkennbar wie bei den Mausohren, die zumeist frei hängend im Gebälk von Dachstühlen ihre Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Viele Arten leben in Spalten und Ritzen versteckt und werden so in vielen Fällen gar nicht erst entdeckt. Doch sie sind da, oft nur durch ganz wenig vom menschlichen Wohnraum getrennt. Doch weshalb suchen Fledermäuse überhaupt die nicht immer ganz ungefährliche Nähe zum Menschen? Die Antwort auf diese Frage ist nach eingehender Betrachtung ebenso einfach wie einleuchtend. 

Viele der bei uns in Gebäuden lebenden Fledermausarten sind ursprünglich mediterrane Arten, das heisst, sie stammen aus dem Mittelmeerraum. Dort leben sie vorwiegend in Höhlen und Felsspalten. Der geneigte Leser mag nun einwenden, dass es auch hierzulande viele Höhlen und Felsspalten gibt. Das stimmt auch, und im Winterhalbjahr werden diese von eben diesen Arten auch gerne als Uberwinterungsstätte genutzt. Doch im Gegensatz zum Mittelmeerraum sind unsere Höhlen deutlich kühler: Beträgt die Temperatur einer Höhle in Mittelitalien im Sommer konstant 18-22 Grad, so bringen es unsere in der Regel gerade einmal auf 9-13 Grad (dies hängt mit der unterschiedlich hohen Temperatur unter der Erdoberfläche zusammen), und das ist für die erfolgreiche Aufzucht von Jungtieren deutlich zu wenig. 

Aus diesem Grund kann davon ausgegangen werden, dass die meisten gebäudebewohnenden Fledermausarten bei uns ursprünglich nicht oder nur am Rande verbreitet waren. Erst mit dem Bau von Häusern entstanden zunehmend geeignete, warme Räume, welche es diesen Arten erlauben, auch in unseren Breiten Junge grosszuziehen. Die gebäudebewohnenden Fledermausarten sind daher wie kaum ein anderes Tier eng mit der menschlichen Siedlungstätigkeit verbunden - und auch von ihr abhängig. 

Es liegt daher ganz direkt an jedem von uns, dieses faszinierende Stück Wildnis, das sich uns im Verlaufe der vergangenen Jahrhunderte anvertraut hat, zu bewahren. Es braucht dazu meist gar nicht viel. - Wir sind gerne bereit, Sie unkompliziert zu beraten.

Mausohr Wochenstube

Das Grosse Mausohr - eine typische aber bedrohte Fledermausart im Siedlungsraum. Im Bild Tiere einer Wochenstubenkolonie. Foto: Hans-Peter B. Stutz.

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