Fledermäuse und Kirchensanierung ...

... eine Chronologie aus dem Landkreis Konstanz

Nicht ganz von ungefähr beschäftigen sich Fledermausschützer auch im Landkreis Konstanz seit längerem mit Kirchen als möglichen und tatsächlichen Fledermausquartieren. Geradezu eine Welle von Sanierungen an den in dieser Region Deutschlands überwiegend katholischen Gotteshäusern hat in den vergangenen Jahren stattgefunden und ist noch nicht abgeschlossen. Allzu oft gab es hierbei Konflikte mit den Vertretern des zuständigen Erzbischöflichen Bauamts, die in den meisten Fällen die Sanierungen vorbereiten und begleiten.


(mkl) Konfliktstoff entsteht bei Kirchensanierungen immer wieder an zwei Punkten: Zum einen gibt es Probleme bei der frühzeitigen Abstimmung der geplanten Sanierungsprojekte und der rechtzeitigen Einbeziehung von Fledermausschützern, so dass durch eine intensive Beobachtung der Kirche vor dem Beginn der Sanierung eine qualifizierte Aussage über den möglichen Quartierstatus gemacht werden könnte. Diese Untersuchung mündet in einem rechtlichen Befreiungsverfahren, wie es im Kasten unten beschrieben ist. Zum anderen gab es immer wieder Streit um die bei der Sanierung zum Schutz der Fledermäuse getroffenen Auflagen, die zugegebenermassen eine Renovierung nicht erleichtern. Die wichtigsten Aussagen stellen wir im Kasten auf der gegenüberliegenden Seite zur Diskussion. Um die Bedeutung der Kirchen für den Fledermausschutz in unserer Region und die Brisanz der Sanierungen zu verdeutlichen, schildert dieser Artikel eine knappe Chronologie der wichtigsten Sanierungen der letzten Jahre. Er gibt auch einen Einblick in die nicht gerade grosse Kooperationsbereitschaft der Amtskirche, wenn es um die Erhaltung der Schöpfung nicht nur in Worten, sondern in Taten geht. 

Juni 1995: Gemeinsam mit Architekten des Erzbischöflichen Bauamts Konstanz werden die Kirchen in Worblingen, Randegg und Ebringen begangen. Fledermäuse lassen sich bis auf ganz vereinzelte Kotspuren nicht nachweisen, so dass lediglich Verbesserungsvorschläge im Sinne des Fledermausschutzes gemacht werden. 

September 1995: Kirche Friedingen. Die Sanierung wird von uns nur durch "Zufall" anhand der Einrüstung der Kirche im Vorbeifahren entdeckt. Dem Kot und alten Daten nach befand sich hier eine Kolonie von Langohren, bei der Begehung konnte nur noch ein Tier angetroffen werden. Obwohl erst kurz zuvor wegen der Sanierung in Markelfingen Gespräche stattgefunden hatten, war die AG Fledermausschutz nicht informiert. 

August 1995: Aus der Zeitung erfahren wir vom Abschluss der Sanierung der Kirche in Aach. Das Dach wurde neu eingedeckt, inklusive des Austausches der Lattung und einiger Balken. Nach Abschluss der Arbeiten kann die AGF keine Tiere feststellen, ob es zuvor je welche gab, bleibt unklar. 

Dezember 1995: Für die Sanierung der Zwiebelkuppel der Kirche Markelfingen kann eine gute Lösung gefunden werden. Diese grosse Mausohrwochenstube war der AGF schon lange bekannt. Deshalb konnte sie sich auf eigenen Initiative rechtzeitig in das Sanierungsverfahren einschalten und einen Erfolg erreichen. 

April 1996: Aus der Presse erfahren wir von der Sanierung der Kirche in Horn. Zu diesem Zeitpunkt beschränken sich die Arbeiten auf den Kircheninnenraum. Da es für Fledermäuse im Dachstuhl keine Anzeichen gibt, erhebt die AGF keine Bedenken. 

Juli 1996: Bei der Sanierung der Kirche in Öhningen wurde die AGF rechtzeitig informiert. Ein umfangreiches Konzept zur Erhaltung der Mausohrwochenstube im Kirchendach und möglicher Langohren im Zwiebelturm wird erarbeitet. Ein erfolgreicher Abschluss der Arbeiten, die sich über zwei Jahre hinziehen, gelingt vor allem aufgrund der hervorragenden Kooperation mit der örtlichen Pfarrgemeinde und der Tatsache, dass diese Sanierung vom Staatlichen Hochbauamt Waldshut und nicht vom Erzbischöflichen Bauamt betreut wird. 

Juli 1996: Die geplante Sanierung der Kirche in Stetten ist der AGF schon seit langem bekannt. Die Kirche wird untersucht, aufgrund von Kot kann man auch Langohren im Turm schließen, die sich allerdings im sehr hohen und spitz zulaufenden Gebälk nicht einfach nachweisen lassen. Ferner gibt es eine Kolonie einer kleinen Art in einer Zwischendecke über dem Kirchenschiff. Obwohl nochmals Begehungen mit dem Erzbischöflichen Bauamt durchgeführt wurden und obwohl mögliche Auflagen aus Sicht des Fledermausschutzes formuliert waren, beginnt im Juli 1996 die Sanierung ohne unser Wissen. Vor der halbsanierten Kirche und als aus Sicht des Fledermausschutzes vieles schon zu spät war möchten sich die Architekten dann auf einen Kompromiss einigen. 

Juli 1996: Die Kirche in Wollmatingen wird ohne Abstimmung saniert. Alte Daten weisen hier eine kleine Kolonie Langohren im Turmdach aus. Durch Intervention kann zwar nicht die Sanierung in den Spätsommer verschoben werden, wohl aber eine Verbesserungen im Sinne einer fledermausfreundlichen Gestaltung eingebracht werden. Bei der Kirchenkartierung 1999 sind die Tiere wieder anzutreffen. 

August 1996: Die Kirche in Stockach-Wahlwies wird ohne jegliche Abstimmung saniert. Aus dem Totfund einer Fledermausmumie lässt sich ein mögliches Herbst- oder Überwinterungsquartier von Abendseglern rekonstruieren, weitere Aussagen sind aufgrund der vorangeschrittenen Arbeiten nicht mehr möglich. Auch diese Sanierung wird im Rahmen einer anderweitigen Quartierkontrolle zufällig bemerkt.

Kirche in Steißlingen

 

Wie hier die Kirche in Steisslingen waren in den vergangenen Jahren im Landkreis Konstanz zahlreiche Kirchenbauten mit bedeutenden Fledermausvorkommen von Renovierungen betroffen.
Foto: Hansueli Alder

 
September 1996: Gut abgestimmt beginnen die Arbeiten zur Sanierung der Kirche in Eigeltingen. Hier befindet sich eine grosse Kolonie Mausohren, die auch nach Abschluss der Arbeiten am Dach im Frühling 1997 wieder einziehen. Ein guter Teil des Erfolges beruht wieder wie in Öhningen auf dem Engagement des Pfarrgemeinderates, dem die Kolonie in ihrer Kirche am Herzen liegt.

 November 1997: Die AGF erfährt von der Sanierung der Kapelle in Obergailingen, die immerhin schon seit zwei Jahren geplant ist. Definitive Aussagen über den Fledermausbesatz lassen sich im Winter keine treffen. Da es sich um eine kulturhistorisch wertvolle Kapelle handelt und mögliche Sanierungszuschüsse verfallen würden, stimmt die AGF einer Sanierung im Sommer 1998 zu. Auflagen sollen sicher stellen, dass der Dachstuhl auch nach Sanierungsabschluss optimal von Fledermäusen genutzt werden kann, falls diese das möchten.

 Juni 1998: Das Erzbischöfliche Bauamt informiert uns über Fledermäuse in der Kirche in Binningen. Dabei handelt es sich um die uns wohlbekannte Fransenfledermaus-Kolonie. Sanierungen sind aber in der nächsten Zeit ohnehin nicht geplant. 

Januar 1999: Das Erzbischöfliche Bauamt bezieht die AGF in die Sanierung der Kirche in Bodmann mit ein. Ein Blick in die Ergebnisse der durchgeführten Kartierung weist hier ein Mausohr-Männchen Quartier aus. Die wenigen notwendingen Auflagen zur Erhaltung des Quartiers können vereinbart werden. 

Februar 1999: Die Sanierung der Kirche in Güttingen kann unproblematisch freigegeben werden. Die zuvor von der AGF durchgeführte Kartierung weist dieser Kirche aus Sicht des Fledermausschutzes keine überragende Bedeutung zu, eine Abstimmung mit dem Erzbischöflichen Bauamt hat im Vorfeld stattgefunden. 

August 1999: Aus der Kirchenkartierung sind in Steisslingen eine Wochenstube von Grossen Mausohren im Turm und die Planungen für eine Sanierung bekannt geworden. Durch eine gute Kooperation mit dem Architekten vor Ort kann ein Sanierungskonzept erarbeitet und erfolgreich umgesetzt werden. 

Mai 2001: Als in der eben erwähnten Kirche in Steisslingen ein Jahr später der Dachstuhl saniert werden soll, geraten die Fledermäuse bei der Bauleitung schon wieder in Vergessenheit. Ein eiliger Ortstermin unter halb abgedecktem Dach kann nur noch zu Schadensbegrenzung führen - die Langohrwochenstube geht verloren. Einige Vorkehrungen werden aber hoffentlich zur Rückkehr der Tiere 2001 führen. Es bleibt festzuhalten, dass die wenigen erfolgreichen Sanierungen stets auf einer langfristigen Vorplanung, die bei Massnahmen dieser Grösse eigentlich ohnehin erfolgt, und auf dem Engagement der Pfarrgemeinde vor Ort beruhten. In allen Fällen haben etliche Gespräche mit den entsprechenden Architekten des Erzbischöflichen Bauamtes über die Einbeziehung des Naturschutzes in ihre Arbeit und über das dafür nötige Vorgehen stattgefunden, die Schriftwechsel füllen die Akten. Stets hat auch das Regierungspräsidium Freiburg versucht, kooperativ mit der Kirche zusammenzuarbeiten, notfalls aber auch den notwendigen Druck ausgeübt. Was bleibt ist eine Serie geglückter, aber auch eine Reihe schmerzlicher, nicht geglückter Kooperationen. Wenn der Fledermausschutz im Sinne der Erhaltung der Schöpfung etwas erreichen möchte, braucht sie einen langen Atem und viel Geduld. Die Chronologie ist mit dem Mai 2001 jedenfalls noch längst nicht zu Ende geschrieben, dies hat sich in der seither vergangenen Zeit bereits mehrfach bestätigt. Die flächendeckende Kartierung der Kirchen gibt uns jetzt immerhin die Möglichkeit, bei Sanierungen schneller eine fundierte Stellungnahme aus Sicht des Fledermausschutzes abzugeben, auf deren Basis die Naturschutzbehörden nötigenfalls sinnvolle Auflagen festsetzen.

Ziffernblatt in Steißlingen

Das neu gerichtete Zifferblatt der Kirchturmuhr in Steisslingen. Um für die Mausohren den Durchschlupf zwischen Zifferblatt und Mauer weiterhin zu gewährleisten, wurde am unteren Rand (Ziffer VII) eine spezielle Aussparung in den Sandstein gemeisselt. Foto: Batec Hansueli Alder

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