Grenzüberschreitende Begehung von Fledermaus - Winterquartieren ...... ein Rückblick
auf 20 Jahre invernale Fledermausschutztätigkeit diesseits uns
jenseits der Landesgrenzen |
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fehlen uns in vielen Bereichen langjährige, systematische Untersuchungen
der Fledermaus-Bestände. Eine Ausnahme bilden die Winterquartiere in
Höhlen, Stollen und alten Kellern, welche seit der Geburtsstunde des
Fledermausschutzes in unserer Region während der kalten Jahreszeit
regelmässig aufgesucht werden. |
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Von Bier und kleinen Brötchen... Im westlichen
Bodenseegebiet müssen wir dabei durchaus kleine Brötchen backen:
kaum einer der unterirdischen Hohlräume beherbergt mehr als
höchstens eine Hand voll Fledermäuse und viele mögliche Quartiere
sind nur alle paar Jahre einmal von den Tieren genutzt. Nur in den
höheren Lagen des Hegaus und am Randen steht Nagelfluh- oder
Kalkgestein an und am Hohentwiel haben einst kampfeslustige
Landsknechte Schanzstollen ins Phonolith-Gestein getrieben - der
Rest unseres Gebietes ist ausser von eiszeitlichem Schotter vor
allem von der sandsteinartigen Molasse geprägt, in der im Gegensatz
zum Jurakalk keine Naturhöhlen entstanden, so dass hier nur alte,
vom Menschen gegrabene und heute oft ungenutzte Lagerkeller als
unterirdische Hohlräume zur Verfügung stehen. Wir vermuten, dass
viele dieser Lagerkeller, die oft als "Bierkeller" bezeichnet
werden, obwohl auch Rüben, Eis, Kartoffeln und vieles andere darin
gelagert wurde, wegen ihres Mikroklimas Im Sommer spielen die unterirdischen Objekte bei uns nach allen bisherigen Erkenntnissen nur ausnahmsweise eine Rolle: einige wenige Höhlen werden im Spätsommer von Wasserfledermäusen (dann allerdings in stattlicher Zahl von oft über 100 Tieren) genutzt, in anderen schlägt ein Mausohr-Männchen im Herbst sein Paarungsquartier auf. Viele Höhlen und Stollen bleiben im Sommerhalbjahr jedoch weitgehend ungenutzt, weil sie für die dann eher wärmebedürftigen Tiere in unseren Breiten einfach zu kühl bleiben. Wozu das Ganze? Wenn wir im Winter in den von uns mehr oder weniger häufig kontrollierten 49 Stollen und Lagerkellern und 11 Naturhöhlen also vergleichsweise wenige und im Sommer fast gar keine Fledermäuse finden - warum befassen wir uns dann überhaupt mit diesem Quartiertyp und betreiben sogar Aufwand zu seinem Schutz? Zunächst einmal, weil es sich trotz allem um Fledermausquartiere und damit um besonders schützenswerte Elemente unserer Umwelt handelt. Zum Zweiten auch, weil wir es uns nicht leisten möchten, eine Gruppe von beispielsweise 5 winterschlafenden Mausohren als „unbedeutend" einzustufen, nur weil die Kollegen in Hessen in derselben Zeit 200 Winterschläfer derselben Art entdecken können. Und drittens sind die Dinge - wie so oft in der Natur - viel zu verzwickt, um derzeit zu einer abschliessenden Beurteilung der Bedeutung unserer regionalen unterirdischen Fledermausquartiere zu kommen. |
Abb.1: Kontrollen in Höhlen, Stollen und unterirdischen Kellern zwischen 1981 und 2001 im Kanton Schaffhausen und Landkreis Konstanz (jeder Besuch eines Objektes zählt hier als eine Kontrolle). Weiß: Gesamtzahl der Kontrollen pro Monat; schwarz: Anzahl der Kontrollen, die keine Nachweise von Fledermäusen erbrachten (berücksichtigt sind hierfür nur die Quartiere in unserer Datenbank).
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Einfach eins - zwei - drei? Die Probleme beginnen schon bei den Zählungen. Man sollte, mag der Leser einwerfen, nicht allzu viele Schwierigkeiten damit haben, irgendwann im Winter in eine Höhle zu gehen und dort die Fledermäuse, die ja reglos herumhängen, zu zählen. Ungefähr so dachten wir früher auch, wurden dann aber rasch eines Besseren belehrt. Nicht nur, dass einige unserer Quartiere in Spalten und hinter Mauergewölben fast unendlich viele Versteckmöglichkeiten für Fledermäuse bieten - die Tiere erwiesen sich auch im Winter als ausgesprochen mobil, wechselten von offenen zu sehr versteckten und manchmal vermutlich gar nicht zu entdeckenden Hangplätzen, tauchten sogar mitten im Winter völlig neu in einem Quartier auf oder verschwanden daraus in einer Zeit, in der sie laut Lehrbuch fest schlafen sollten. Unsere Ergebnisse der vergangenen 20 Jahre fliessen in Abb. 2 ein. Hier haben wir zusammengestellt, wie viele Fledermäuse von welchen Arten durchschnittlich pro Kontrolle in den verschiedenen Monaten gefunden wurden. Sofort fällt auf, dass wir durchschnittlich mehr Mausohren finden, je später im Winter wir die Höhlen und Stollen kontrollieren, dass Wasserfledermäuse in den Randmonaten des eigentlichen Winters am häufigsten festgestellt werden und dass die Zahl der Langohren während des Winters eher rückläufig ist. Die Umrechnung "pro Kontrolle" ist erforderlich, da Anzahl und Zeitpunkt der Kontrollen je nach unseren Möglichkeiten jährlich stark schwanken. In Abb. 1 ist die Anzahl der Kontrollen pro Monat gezeigt und die Ungleichverteilung der Kontrollzeitpunkte wird deutlich. Übrigens war auch die Sichtung dieser Kontrolltermine an sich aufschlussreich: offenbar verspüren Fledermauskundler insbesondere in den Tagen nach Weihnachten mit guetzligefülltem Bauch besonderen Drang, im Schlamm irgendwelcher Stollen herumzukriechen, Ähnliches gilt erstaunlicherweise für den Sylvestertag, bemerkenswerterweise jedoch nicht für den 1. Januar. Aber Spass beiseite: die Grafik offenbart auch, dass wir in den bisher unterrepräsentierten Monaten Oktober und November künftig noch etwas stärker darauf achten sollten, was in unseren Fledermauswinterquartieren vor sich geht, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, keine Fledermäuse anzutreffen (Abb. 1, schwarze Balken in dann besonders hoch ist. Abb. 2 informiert auch über Artenspektrum und Anteile der verschiedenen Arten, die wir regelmässig in unterirdischen Winterquartieren finden: abgesehen von den Wasserfledermäusen im September ist hierzulande das Mausohr eindeutiger Tabellenführer, gefolgt von den beiden Langohr-Arten, den beiden Bartfledermausarten und schliesslich der Fransenfledermaus. |
Abb.2: Durchschnittliche
Anzahl festgestellter Fledermäuse pro Kontrolle unterirdischer
Winterquartiere zwischen 1981 und 2001 im Kanton Schaffhausen und
Landkreis Konstanz.
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Keine Ruhe im "Schlafsaal"... Abb. 3 schliesslich soll einen Eindruck davon vermitteln, welche Änderungen in den festgestellten Belegungszahlen innerhalb eines Winters auftreten können. Alle drei Quartiere wurden zu denselben Zeitpunkten im Winter 1998/99 kontrolliert und die Unterschiede der einzelnen Kontrollergebnisse im selben Quartier sind augenfällig. Es ist seit längerem kein Geheimnis mehr unter Fledermauskundlern, dass sich das Zählergebnis in einem Winterquartier durch den ausgewählten Kontrollzeitpunkt beeinflussen lässt. Unseriöse Gestalten könnten theoretisch durch Winterquartierkontrollen zu einem frühen Zeitpunkt im Winter, möglichst bei wärmerer Witterung, durch ganz ehrliche Zählung eher kleine Belegungszahlen ermitteln (und damit allfällige Bestandseinbrüche demonstrieren, falls ihnen dies politisch nützlich erscheint) - oder sie können eher im Januar / Februar bei tiefem Frost losziehen und haben dann bei ebenfalls ganz ehrlicher Zählung gute Chancen, neue Belegungsrekorde zu verzeichnen. Da dies wie gesagt unseriös und wenig sinnvoll wäre, haben wir vor einigen Jahren beschlossen, einige ausgewählte Winterquartiere alljährlich mehrfach (möglichst monatlich) zu besuchen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sehr die Zählergebnisse während des Winters schwanken können. Grundsätzlich sollen Quartiere mit winterschlafenden Fledermäusen aus Schutzgründen so wenig wie möglich besucht werden und eine Kontrolle pro Winter sollte ausreichen. Wir haben uns aber dennoch zu dieser vorübergehend höheren Besuchsrate in dafür geeigneten Quartieren entschlossen, damit wir einmal in die Lage kommen, diese üblicherweise anfallenden Einzelergebnisse überhaupt richtig einordnen und interpretieren zu können. In keinem der Quartiere fanden wir Belegungsmuster die uns fürchten lassen mussten, dass unsere Besuche die Ursache der Belegungsschwankungen sein könnten. Weniger oder mehr oder je nachdem... Nachdem wir also feststellen müssen, dass Belegungszahlen in Fledermauswinterquartieren sowohl vom Wintermonat als auch von der Aussenwitterung abhängen, verwundert uns das Durcheinander in Abb. 4 nur noch wenig. Hier haben wir für die vergangenen 21 Winter jeweils die höchste Anzahl an Fledermäusen aufgetragen, die bei einer Quartierkontrolle gleichzeitig in einem Quartier gefunden wurden (sog. Maximalbelegung). Auch hier ist noch manches unklar: beispielsweise liegen im Winter 1996/97 die Maximalbelegungszahlen in drei der dargestellten Quartiere sehr hoch, in Wahlwies dagegen gab es einen Negativrekord mit nur zwei Tieren. Spielen hier Witterungsgründe die Hauptrolle? 1986/87 erreichte der Rodenberg-Keller eine Rekordbelegung, während Freudentalhöhle (eine feuchte Jurahöhle) und Keller Paradies (ein verhältnismässig warmer Molassestollen) schwach belegt blieben. Was veranlasste damals mehr Fledermäuse als üblich, zum Rodenberg zu fliegen? Wir müssen ehrlich sagen, dass wir hier noch im Nebel stochern - aber es ist ja auch noch nicht aller Tage Abend. Und um abschliessend bei derartigen Redensarten zu bleiben: der nächste Winter kommt bestimmt! |
Abb. 3 a-c: Anzahlen
der zu 8 Kontrollzeitpunkten im selben Winter (1998/99) gefundenen
Fledermäuse in 3 verschiedenen Winterquartieren: Keller Wahlwies (D;
in Molasse), Keller Paradies (CH; in Molasse) und Brunnenstollen
Hohentwiel (D; in Phonolith).
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