Wasserfledermäuse auf Flugstrassen: Ein 10-Jahres Vergleich ...... Ein weiteres
Kapitel in einer Erfolgsgeschichte, welche die Schaffhauser
Wasserfledermäuse weitherum bekannt gemacht hat
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(hua) Genaugenommen hat die Geschichte Ende Mai 1989, also vor ziemlich genau 14 Jahren begonnen. Damals war nichts weiter bekannt, als dass im Sommerhalbjahr jede Nacht unzählige Wasserfledermäuse über der Wasseroberfläche des Rheins nach Insekten jagen. Wo sich die Tiere tagsüber aufhielten, war ein grosses Rätsel, auf dessen Lösung vom damaligen Fledermausschutz-Beauftragten des Kantons Schaffhausen, Andreas Müller, sogar ein Nachtessen ausgesetzt war. Damit wurde der Forschertrieb des Schreibers, sowie einiger seiner ehemaligen Mitschüler definitiv geweckt, und es ging auf nächtliche Pirsch, auch wenn sich die Begeisterung des Elternhauses anfänglich in Grenzen gehalten hatte. |
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Die
Wasserfledermaus: mit einer Flügelspannweite von rund 25 cm und
einem Körpergewicht von 8-10 g eine der mittelgrossen einheimischen
Fledermausarten
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Mit etwas Glück liess der Erfolg
dann auch nicht lange auf sich warten: Bereits an einem der ersten
Abende fanden wir heraus, dass die Wasserfledermäuse in der
Dämmerung von den etwas zurückversetzten Wäldern herkamen und auf
klar definierten Routen zum Rhein flogen. Dies war die Stunde der
Entdeckung der Flugstrassen. - Im Verlaufe der folgenden beiden
Jahre gelang es uns, entlang des Rheins eine um die andere
Flugstrasse zu kartieren.
Bereits damals stellten wir fest, dass die Zahl der
vorbeifliegenden Tiere stark schwanken konnte. Um genauere Aussagen
über den jahreszeitlichen Verlauf machen zu können, stellten wir mit
der Unterstützung des Biologielehrers Dr. Jürg Cambensy und Schülern
aus vier Klassen der Kantonsschule Schaffhausen ein Projekt auf die
Beine, mit dem das Ziel, zwischen Mai und Oktober 1992 auf allen
damals bekannten Flugstrassen mindestens alle zwei Wochen eine
Zählung durchzuführen. Damit erhielten wir einen ersten, höchst
interessanten Einblick in die Lebensweise unserer Wasserfledermäuse. Mittlerweile waren fast 10 Jahre vergangen, und wir
wussten nun auch, dass sich die bei uns sehr verbreitete
Fledermausart tagsüber vorwiegend in Baumhöhlen versteckt und dort
auch ihre Jungen aufzieht. Doch wie bei vielen Projekten fehlten uns
zuverlässige Daten, welche einen Aufschluss über die mittel- bis
langfristige Bestandesentwicklung geben würden. Unsere eigenen, mehr
zufälligen Beobachtungen, welche wir im Verlaufe der Zeit
zusammengetragen haben, reichten dafür bei weitem nicht aus. Es war
daher ein Glücksfall, dass sich Jürg Cambensy wiederum bereit
erklärte, sich zusammen mit der Bio-Klasse 3ma im Jahr 2002 an einer
Neuauflage des damaligen Projekts zu beteiligen. Mit der
Unterstützung von weiteren Helferinnen und Helfern gelang es, wieder
alle sieben Zählpunkte im Raum Schaffhausen zu besetzen (vgl.
Abbildung 1). |
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Abbildung 1: Die dick
ausgezogenen Linien markieren die Flugstrassen (mit Zählpunkten),
welche 1992 und 2002 untersucht wurden. Die drei dünn ausgezogenen
Linien stellen Flugstrassen dar, die erst nach 1992 entdeckt wurden
und deshalb im Rahmen des 10-Jahres-Vergleichs nicht untersucht
wurden. Karten vergrößert anzeigen |
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Mehr, weniger oder gleichviel?
Wie 1992 wurden auch im Sommer 2002 jede zweite
Woche Zählungen an einer ganz bestimmten Stelle auf jeder
Flugstrasse durchgeführt. Innerhalb einer "Zählwoche" (Kalenderwoche
mit einer ungeraden Zahl) stand es den Beobachterinnen und
Beobachtern frei, einen Abend auszuwählen. Einzige Bedingung: Es
durfte nicht regnen, da starker Regen die Flugaktivität der
Wasserfledermäuse stark einschränkt. Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse 1992/2002 im
Vergleich. Zu erwähnen ist hierbei noch, dass vor allem in der
zweiten Hälfte der Sommersaison 1992 Daten von einigen Flugstrassen
fehlen, diese also zum Vergleich des Gesamtbestandes auf den sieben
Flugstrassen nur bedingt beigezogen werden können. |
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Bild vergrößert anzeigen
Abbildung 2: Die Bestandesentwicklung auf den 7 untersuchten Flugstrassen in den Jahren 1992/2002 |
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Bereits auf den ersten Blick fällt
auf, dass die Saison 1992 von wesentlich stärkeren
Bestandesschwankungen gekennzeichnet ist als die Saison 2002. 2002
verlief etwa so, wie man es von Fledermäusen eigentlich erwarten
würde: ein stabiler Anfangsbestand im Frühjahr, eine Zunahme des
Bestandes im Juli, wenn die Jungtiere flügge werden und ein
kontinuierlicher Rückgang des Bestandes bis zum Oktober, wenn die
Tiere sukkzessive wieder in ihre Winterquartiere verschwinden. 1992
hingegen ist zur Zeit des Flüggewerdens der Juntiere kein
Bestandesanstieg erkennbar - im Juli war sogar das Gegenteil der
Fall. Auch waren die Schwankungen von einer Zählung auf die andere
deutlich grösser.
Aus diesem Grund ist es schwierig, eine schlüssige
Aussage dazu zu machen, in welche Richtung sich der Gesamtbestand
innerhalb der 10 Jahre effektiv entwickelt hat. Die durchschnittlich
höhere Gesamtzahl, sowie das absolute Bestandesmaximum Mitte Juli
2002 weisen eher auf eine Zunahme hin, zumindest blieb der Bestand
stabil. Wird es den Wasserfledermäusen zu hell... Was in der Grafik vielleicht erst bei genauerer
Betrachtung erkennbar ist, war einigen Beobachtern bereits bei den
ersten Zählungen aufgefallen: Auf einigen Flugstrassen haben die
Bestände im Vergleich zu 1992 deutlich zugenommen, so beispielsweise
am Zählpunkt Unterschlatt 830, wo es fast zu einer Verdoppelung kam.
Dem gegenüber gab es Flugstrassen, die 1992 gut frequentiert waren,
und bei denen die Zählungen 2002 eher zur mühsamen Pflichtaufgabe
wurden, da während der rund einstündigen Beobachtungszeit kaum etwas
los war, so beispielsweise am Zählpunkt Schaffhausen 270. Grundsätzlich fällt dabei auf, dass vorwiegend die
Flugstrassen von Bestandesrückgängen betroffen sind, die in der Nähe
von dicht besiedelten Gebieten liegen. Eine mögliche Erklärung dafür
wäre die Tatsache, dass die städtischen Gebiete auch in den
vergangenen 10 Jahren nachts immer stärker beleuchtet wurden, womit
die Lichtintensität heute vielleicht ein Ausmass erreicht hat, bei
dem sich die lichtscheue Fledermausart in dunklere Gebiete
zurückzieht. ...oder sind es natürliche Feinde? Bei den Beobachtungen ist uns auch aufgefallen,
dass sich in der Abenddämmerung im "Lindli", also am Rhein etwas
ober halb von Schaffhausen, nebst allerlei Leuten regelmässig
dutzende von Rabenkrähen versammeln, um dort auf den Bäumen zu
übernachten. Dieses "Phänomen" ist gegenüber 1992 neu, zumindest hat
es damals noch nicht in diesem Ausmass existiert. Bemerkenswert war,
dass ganze Gruppen von Krähen bis in die späte Abenddämmerung immer
wieder von den Bäumen aufflogen und Runden über dem Rhein drehten.
Da Krähen für Fledermäuse als natürliche Feinde eine ernsthafte
Gefahr darstellen (es gibt dazu einschlägige Beobachtungen), ist es
gut möglich, dass der nahe bei der Stadt gelegene Rheinabschnitt aus
diesem Grund an Attraktivität eingebüsst hat. Es wäre auch
plausibel, dass die durch künstliche Lichtquellen geschaffene höhere
Helligkeit die Jagdfreudigkeit der Krähen in der späten
Abenddämmerung erhöht. Dies sind jedoch nur Spekulationen, die
zuerst noch bewiesen werden müssten. Verspätete Wasserfledermäuse? Eine weitere Tatsache ist , dass sich manche
Helferinnen und Helfer lange gedulden mussten, bis endlich die erste
Wasserfledermaus vorbeigeflogen kam. Es schien so, als hätten die
Tiere gegenüber von vor 10 Jahren deutlich "Verspätung". Dass daran
etwas ist, zeigt die Grafik in Abbildung 3 anschaulich: Vor
allem in der ersten Saisonhälfte kam es nicht selten vor, dass das
erste Tier bis zu 10 Minuten später als erwartet auftauchte. Auch
dies ist ein Phänomen, das sich wie viele andere Beobachtungen rund
um das Projekt nicht schlüssig erklären lässt. |
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Abbildung 3: Vorbeiflugzeiten der ersten Wasserfledermäuse 1992/2002 im Vergleich |
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Auf jeden Fall möchten wir es nicht versäumen, allen Beteiligten ganz herzlich für Ihre Mithilfe und ihre Geduld zum Ausharren bedanken. Ohne diesen grossartigen Einsatz wäre es nie möglich gewesen, dieses interessante und in seinem Ansatz völlig neuartige Projekt durchzuführen. Dank diesem Einsatz wissen wir heute wieder einiges mehr, und es sind - wie dies üblich ist - viele neue Fragen hinzugekommen. Möglicherweise lässt sich die eine oder andere Frage ja bei einer nächsten 10-Jahres-Kontrolle beantworten...
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